Berlin : „Endlich geht es los!“

Die Fanmeile ist eröffnet: 250 000 Fußballbegeisterte stimmten sich gestern mit Pelé und Wowereit auf 33 tolle Tage ein

André Görke,Anne Haeming

Am späten Abend schoss Pelé einen goldenen WM-Ball in die jubelnde Fanmasse. Der Brasilianer gab damit quasi den Startschuss für die Eröffnungsfeier der Fußball-WM 2006 auf der Straße des 17. Juni. „Endlich geht es los!“, hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zuvor zu den mindestens 250 000 Fans gerufen. Die Musiker von Simple Minds hatten auf der Fanmeile schon gespielt, auch Ronan Keating, Nelly Furtado und die Sportfreunde Stiller traten später auf.

Zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel in München hat Berlin damit den Auftakt für die kommenden vier Wochen gegeben. Ab Freitag können Fußballfreunde die WM-Spiele auf fünf großen Leinwänden schauen; der Eintritt ist frei.

Tausende Fans standen schon am frühen Abend vor den Gittertoren. Die Ordner in ihren roten Jacken schauten in Tüten und Rucksäcke, Flaschen durften aus Sicherheitsgründen nicht auf die WM-Fanmeile mitgenommen werden. Imbissbuden gab es dafür reichlich: Dort kostete die Bratwurst 2,50 Euro und der 0,4-Liter-Becher Bier 3,50 Euro. Die Fanmeile zwischen Brandenburger Tor, wo die große Bühne aufgebaut ist, und der Siegessäule wirkte wie eine großes Volksfest. Tischdecken in schwarz-rot-gold lagen auf den Biertischgarnituren, Verkäufer liefen mit Luftballonstauden und großen Eiswagen herum.

Vor allem die WM-Sponsoren setzten sich in Szene. An den Fanshops des Weltverbandes Fifa wurden die Trikots von Brasilien und Kroatien verkauft, die beiden Teams spielen am 13. Juni in Berlin gegeneinander.

Neben der Fanmeile zeigte WM-Sponsor Adidas erstmals das Innenleben seiner Arena, die der Konzern vor dem Reichstag aufgebaut hat. Für das Eröffnungsspiel zwischen Costa Rica und Deutschland gibt es keine Karten mehr; das nachgebaute Olympiastadion ist mit 9000 Zuschauern ausverkauft (wie alle Spiele der Deutschen sowie die Halbfinals und das Endspiel am 9. Juli). Erhältlich sind die Arena-Tickets (3 Euro) für die anderen WM-Spiele an den Tageskassen oder im Internet (5,50 Euro) unter www.eventim.de. „Bei uns steht der Sport im Vordergrund“, sagte Oliver Brüggen, PR-Chef des Konzerns. „Deshalb bieten wir auch kein Vollbier an.“ Sogar Salate (3 Euro) werden verkauft. Wenn Musikstars wie Black Eyed Peas (28. Juni), James Blunt (7. Juli) oder Juanes (8. Juli) auftreten, dürfen die Fans auch im Innenraum stehen. Dann steigt die Kapazität auf fast 11 500 Plätze. Bis zum Abend bauten Helfer noch die Fernsehkameras für die „WM-Ticket-Show“ auf, die heute ab 20.15 Uhr im ZDF übertragen wird. Dann werden noch einmal 2006 WM-Eintrittskarten an die Fans vergeben.

Drumherum wurde schon gestern laut gefeiert. Die Boxen waren bei den Musikkonzerten des Eröffnungsfestes weit aufgedreht, so mancher verstand sein eigenes Wort nicht mehr. Am Abend dann – nach einer Liveschaltung ins deutsche WM-Quartier in Grunewald und einem Auftritt von Gianna Nannini und Andrea Bocelli – schloss das Fest mit einer großen Lasershow und dem Film von Sönke Wortmann über „Das Wunder von Bern“). Den kürzesten Anfahrtsweg hatte wohl Pelé, der Mann, der mit anderen Prominenten den goldenen Fußball ins Publikum schoss. Er hatte vor der Veranstaltung die Ausstellung „Pelé-Station – The Legend in Action“ in Berlin besucht. „Früher hatten wir nicht mal einen Lederball“, sagte der berühmteste Fußballer der Welt. „Wir spielten mit einer Grapefruit.“ Auch für ihn – dem die neue Ausstellung am Potsdamer Platz gewidmet ist – war der Besuch im „U3 Bahnhof“ eine bewegende Reise in die Vergangenheit. Gezeigt werden Fotos und Filme, der Eintritt kostet 15 Euro. Ab heute ist die Ausstellung von zehn bis 21 Uhr zu sehen – rechtzeitig vor dem ersten Spiel.

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