Berlin : Endlich mal sturmfreie Bude

Reinhard Mey lässt sich Zeit mit seiner Tournee

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Nach 28 Jahren heftig durchlebten, durchliebten und durchlittenen Familienlebens haben Reinhard und Hella Mey endlich mal sturmfreie Bude. Alle Kinder sind aus dem Haus und auf gutem Weg, das Nesthäkchen studiert sogar in Cambridge. Und nein, der Papa versucht gar nicht erst seinen Stolz zu verbergen. Wäre vermutlich auch ein hoffnungsloses Unterfangen. Die ungewohnte Freiheit nimmt der Liedermacher allerdings zum Anlass, mal ein Sabbatjahr einzulegen. Normalerweise hat er sich mit der gnadenlosen Disziplin des Künstlers immer an einen bestimmten Rhythmus gehalten: Alle zwei Jahre erschien ein neues Album, anschließend gab es im Herbst die Tournee, die rechtzeitig vor den Kindergeburtstagen regelmäßig Mitte November in Berlin endete. Mehr als 500 Lieder sind über die Jahre so entstanden.

Um die neue Freiheit richtig auskosten zu können, hat er die Tournee jetzt um ein Jahr verschoben. Das nächste Konzert gibt’s also erst am 17. November 2005 im Tempodrom. Ein neues Album hat er in diesem Frühjahr trotzdem schon vorgelegt. „Nanga Parbat“ heißt es, und in der Titelballade geht es um Reinhold Messners Kampf um den schwersten Gipfel der Welt, um Liebe und Aufopferung, Scheitern und Triumph. Gewidmet ist das Stück dem legendären Bergsteiger und dem Andenken seines Bruders. „Alles O.K. in Guantanamo Bay“ ist der Titel der aktuellen Single aus dieser Sammlung.

In „Die Waffen Nieder!“ erzählt er von eigenen Erfahrungen, „gebor’n in einer Stadt, vom Krieg verwüstet und zerstört...“. Aber es geht nicht nur um die großen Themen, sondern wie auf den früheren Platten auch, um die kleinen Tücken des Alltags. Die Messies kriegen eine Hymne („Kennst du die kleinen, nicht wirklich nützlichen Gegenstände?“), und das „Sommerende“ bekommt eine wunderschöne und sehr melancholische Ode.

Aber jetzt ist erst der Anfang des Sommers, und Reinhard Mey weiß angesichts all der Möglichkeiten, die sein Sabbatjahr ihm eröffnet, gar nicht, wo er anfangen soll. Endlich mal wieder eine Zeit in Frankreich verbringen? Oder vorübergehend in eine Wohnung nach Wien ziehen? Oder ganz weit weg reisen? Eines steht allerdings schon ziemlich fest. Wenn nach dem Programm der neuen CD im nächsten Jahr im November noch Zugaben gewünscht werden, wird er davon etliche im Gepäck haben. Trotz Sabbat werden ihm unterwegs ganz sicher drei oder vier Lieder einfallen. Bi

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