Berlin : Endlich unten!

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber sieht das Licht

am Ende der Rangliste

Es ist nicht kalt. Wir sparen Heizkosten. Kulturell steht uns Hauptstädtern ein avantgardistisches Ereignis bevor: Im Dezember werden wir, als Antwort auf die „Vagina-Monologe“, die „Phallus-Monologe“ vernehmen können. Zum Glück bringt der Unterhaltungs- und Amüsierbetrieb immer neue Erregungen hervor, darüber können wir vergessen, dass es mit der Stadt abwärts geht. Die Bertelsmann-Stiftung platziert Berlin in einem neuen Standort-Ranking ganz am Ende der deutschen Länderliste, mit Brandenburg. Jetzt spricht nichts mehr gegen die Fusion: In Berlin-Brandenburg hätte niemand nichts mehr zu verlieren. Die Studie lässt gemeinerweise auch den Schluss zu, dass der Berliner Senat und die brandenburgische Landesregierung in ihrer Erfolglosigkeit bei der Beschäftigungspolitik bestens zueinander passen. Und wenn der Senat bei jeder Gelegenheit betont, er mache den Kollegen in Hamburg Konkurrenz in Sachen Musikindustrie und Event-Getöse – laut Bertelsmann-Studie steht Hamburg auf Platz eins der Rangliste.

Aber was soll’s – die Vergleicherei heizt nur den Neid an. Nehmen wir die Rangliste positiv. Berlin unterscheidet sich, was die Wirtschaftsdaten und die Bemühungen der Politik anbelangt, nicht mehr von den anderen ostdeutschen Ländern. Die „Angleichung der Lebensverhältnisse“, politisches Ziel der 90er Jahre, ist ostdeutschlandweit erreicht. Und wenn wir wieder mal wissen wollen, wie gut wir es haben – fliegen wir ohne umzusteigen nach Ulan Bator, der Jurten-Metropole, und üben dort das einfachere Leben.

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