Berlin : Endlich wieder Currywurst am Tor

Neue Bude eröffnet mit behördlichem Segen – und ein Museum wird geplant

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Die Currywurst hat scheinbar schon oft vor dem Ende gestanden, bedrängt durch Döner und Sushi, Fitnesswahn und Vegetarismus. Auch Elke Zieschang war an dieser Bedrängung beteiligt, als sie in den späten 90ern in der Oranienburger Straße „Fish und Chips“ im britischen Stil anbot. Das ist lange her, und die Hotelbetriebswirtin setzt nicht länger auf Experimente: Sie verkauft jetzt selbst Currywurst. Am Montag um zehn hat sie ihre Bude am Brandenburger Tor eröffnet.

Zum Tor gehört die Wurst, das wurde überdeutlich, als Anfang 2003 der Streit um die dort provisorisch angesiedelte Wurstbraterei tobte. Anwohner klagten über Geruchsbelästigung, Denkmalschützer bemängelten überdies das Aussehen der doch sehr improvisiert wirkenden Installation.Doch dass es dort Wurst geben müsse, war für Gegner und Befürworter immer unstrittig. Nun wird sie so gepflegt und juristisch gesichert zubereitet, dass es kaum noch Streit geben dürfte: Der dunkelgrün gestrichene Container steht auf der Westseite der Ebertstraße dezent getarnt unter den ersten Tiergartenbäumen, die Ablufttechnik entspricht modernen Maßstäben, und zudem hat Elke Zieschang ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, in dem sie sich gegen mehr als 30 Konkurrenten durchsetzen konnte. Preis pro Wurst: 2,50 Euro.

Zu diesem Erfolg dürfte beigetragen haben, dass das Konzept auf das bei den Behörden wohlgelittene Neuland-Fleisch setzt, das unter anerkannt tier- und menschenfreundlichen Bedingungen produziert wird. Fleischermeister Bauermeister aus Berlin liefert die Curry-, Bock- und Bratwürste, Durchschnittlich 500 Currywürste pro Tag will Elke Zieschang mit vier Mitarbeiterinnen je nach Wetterlage verkaufen, und der Zuspruch am ersten Tag sah so aus, als könnte das klappen. Bei den Bratwürsten hat sich die Betreiberin noch einen kleinen Gag ausgedacht: Jede Woche wird es sie nach einem anderen deutschen Rezept geben, die Berliner Variante macht den Anfang.

Unterdessen geht auch die historische Aufarbeitung der Berliner Nationalspeise voran: Am 30.März 2006 soll das multimediale, private Currywurst-Museum öffnen. Dies jedenfalls teilt Birgit Breloh mit, die sich erst am 30.Juni näher zu ihren Plänen äußern will. Auch im Mittelpunkt dieses Museums werde wieder ein Grill mit duftenden Würsten stehen, heißt es … So viel für heute zum Siegeszug von Döner und Sushi. bm

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