Berlin : Endspurt der Politprominenz

Die Spitzenkräfte der Parteien kamen nach Potsdam.

Thorsten Metzner
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Großer Auftrieb in Potsdam: Am Montag hatten die Parteien ihre Spitzenkräfte in die brandenburgische Landeshauptstadt geschickt.

BASSINPLATZ, 19.30 UHR

Es ist der Tag nach der Bayern-Wahl, bei der die FDP rausflog. Angela Merkel, die vor rund 1000 Leuten spricht, darunter auch Gegendemonstranten mit Trillerpfeifen, schließt Leihstimmen für die FDP aus: „Die CDU hat keine Stimmen zu verschenken.“ Denn „die Wahl wird knapp, sie wird sehr knapp ausgehen.“ Zum Schluss spricht die Potsdamer CDU-Bundestagskandidatin Katherina Reiche – und geht ironisch auf das Konkurrenzkonzert ein, zu dem die Sozialdemokraten zeitgleich zum Merkel-Auftritt gut tausend Meter entfernt in den Lustgarten geladen haben, mit dem Schlagersänger Roland Kaiser. „Ich denke, dass er ein Lied nicht spielen wird“, sagt Reiche. „Schach matt durch die Dame im Spiel!“

LUSTGARTEN, 18.30 UHR

Es schüttete noch eine Stunde vorher. Aber die SPD hat vorsorglich ein violettes Zirkuszelt im Lustgarten aufgestellt, rund 700 Leute unter die Kuppel gelockt. Es gibt keine Störungen, auch keine Rede des SPD-Chefs, die Leute können direkt fragen, was sie auch tun, etwa zum NSA-Skandal, zum Afghanistan-Einsatz. Was hält er von Rot-Rot-Grün, einer großen-Koalition? „War so ein schöner Abend bisher“, sagt Gabriel. Dann holt er aus, geißelt die Linke als janusköpfige Partei. Dass Oskar Lafontaine dort sei, „ist ein gelungener Täter-Opfer-Ausgleich.“ Lacher. Dann sagt Gabriel: „Es muss eine stabile Regierung in diesem Land geben. Man kann sich auf keine Abenteuer einlassen.“ Also eine große Koalition.

HOLLÄNDISCHES VIERTEL, 14.55 UHR

Auch Gregor Gysi ist in Potsdam, zum Treffen mit Journalisten im Holländischen Viertel. Nach der Wahl, so prophezeit er da, werde die „Ausschließeritis“ der SPD gegenüber den Linken vorbei sein. Eine große Koalition? „Dann würde weiter dahingemerkelt. Das Einzige, was die SPD durchsetzen würde, wäre der Mindestlohn.“ Was er von der Kanzlerin hält? „Ich weiß, wie sehr Angela Merkel in Brandenburg und in Ostdeutschland geschätzt wird. Die Leute unterschätzen aber, wie sehr ihre Sparguthaben gefährdet sind.“ Thorsten Metzner

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