Berlin : Endspurt für den Weihnachtseinkauf: Auf den letzten Drücker

Clemens Wergin

Wer sich gestern in der Lebensmittelabteilung des KaDeWe für Weihnachten eindecken wollte, erkannte gleich, woher der Wind weht: Lange Schlangen wanden sich vor den Geflügel- und Fischtheken, wer Rindfleisch oder Schwein wollte, konnte ohne Verzögerungen einkaufen. Ohnehin gehört Rindfleisch in Berlin nicht zu den klassischen Weihnachts-Gerichten. Die BSE-Krise hat nun auch den unentwegten Rindfleisch-Liebhabern den Appetit verdorben.

"Unser Umsatz mit Rindfleisch ist in den letzten Wochen um die Hälfte gesunken", bestätigt KaDeWe-Sprecherin Dagmar Flade. Dagegen sei der Umsatz mit Geflügel um 40 Prozent, der mit Fisch um 30 Prozent nach oben geschossen. "Wir haben die Menge unserer Geflügelbestellungen verdreifacht, um den Ansturm bewältigen zu können." Dadurch, dass Heiligabend dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, wird der heutige Sonnabend zum Einkaufsendspurt. Nach einem verhaltenen Beginn des Weihnachtsgeschäfts erhofft sich der Einzelhandel mit dem letzten Tag das Vorjahresergebnis einstellen oder gar übertreffen zu können.

Letzte Chance Bahnhofspassage

Doch wer auch heute bis 18 Uhr das passende Geschenk findet, hat zumindest noch eine letzte Chance am 24.: Die Einkaufspassagen in den Bahnhöfen Alexanderplatz, Friedrichstraße oder Zoo. Offiziell darf hier zwar außerhalb der gesetzlichen Öffnungszeiten nur Reisebedarf verkauft werden. Ein Blick auf das Angebot zeigt aber, dass man von Tee und Krawatten im Bahnhof Zoo bis zu Schmuck, Schuhen, Damenstrickmode, Parfüm und Uhren im Bahnhof Friedrichstraße noch fast alles bekommt, was sich verschenken lässt. Außer Spielzeug. Wer sich an die Kernzeit von 8 bis 16 Uhr hält, wird offene Läden antreffen, nur der Damenmodeladen Glenfield an der Friedrichstraße macht schon um 14 Uhr zu, das "Uhrwerk Mitte" mit Uhren und Armbändern gar um 13 Uhr. Während es der Besitzer der Jamila-Parfümerie vom Interesse der Kunden abhängig macht, ob er Last-Minute-Duftwasser noch bis 18 Uhr anbietet.

Außerhalb der Bahnhöfe dürfen Heiligabend laut Spezialverordnung von 1967 Geschäfte, "die überwiegend Genussmittel" anbieten, von 10-13 Uhr öffnen. Dieselben Zeiten gelten für Weihnachtsbaumverkäufer, Bäckereien und Blumenläden. Zeitungskioske dürfen von 8-11 Uhr verkaufen.

Die letzten Weihnachtsmärkte

Krawatte oder Seidentücher findet man bei Tie Rack am Zoo. Und sowohl die Blumenläden sind geöffnet als auch das Schmuckgeschäft Design Art im Bahnhof Friedrichstraße - falls es ein wertvolleres Geschenk sein soll. Wer an Weihnachten in die Familie des Partners eingeführt wird, aber vergessen hat, zum Friseur zu gehen, der findet hier bei Essanelle eine barmherzige Schere.

Nicht nur für verzweifelte Geschenksucher sondern auch für alle, die ein wenig Weihnachtsstimmung an der frischen Luft suchen, haben zwei Weihnachtsmärkte noch bis zum 26. geöffnet. Allerdings muss man sich sputen: Die Buden an der Gedächtniskirche schließen an Heiligabend um 14 Uhr. Auf dem Markt am Opernpalais Unter den Linden wird bis 15 Uhr verkauft.

Wem über die Feiertage das Essen ausgeht, der sei auf den gutsortierten Edeka-Markt im Bahnhof Friedrichstraße verwiesen. Allerdings sei gewarnt, wer glaubt, hier noch Geflügel kaufen zu können: Am Freitagnachmittag lagen nur noch zwei Puten in der Gefriertruhe. "Und da bekommen wir auch nichts mehr nach", sagte eine Verkäuferin.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben