Energiepolitik : Klimaforscher kritisiert Brandenburgs Energiepolitik

Der Chef des Potsdamer Instituts für Klimaforschung fordert den frühzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle. Ein Verbleib ginge zu Lasten der Arbeiter.

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Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderung, Hans Joachim Schellnhuber.
Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderung, Hans Joachim Schellnhuber.Foto: Bernd Settnik/dpa

Er berät die Kanzlerin und die EU, gilt weltweit als einer der renommiertesten Klimawissenschaftler: Nur Brandenburg verzichtet auf den Rat von Hans-Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). "Ich habe auch der Landesregierung angeboten, sie zu beraten. Das ist bisher ignoriert worden", sagte Schellnhuber, gerade von der Weltklimakonferenz aus Marrakesch zurück, am Montag in Potsdam. Das sei unter Ex-Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), dem Vorgänger von Dietmar Woidke, anders gewesen. Damals habe es noch Konsultationen auf höchster Ebene gegeben.

Schellnhuber gilt als Kritiker der Energiepolitik

Die Gründe liegen nahe. Schellnhuber gilt als einer der schärfsten Kritiker der Energiepolitik im Land, die auf die Verstromung der einheimischen, aber klimaschädlichen Braunkohle in den nächsten Jahrzehnten nicht verzichten will. Dagegen forderte Schellnhuber erneut einen proaktiven "Kohleausstiegsplan", eine mittelfristige Modernisierungsstrategie für die Lausitz. Es sei nötig, dass Deutschland in der Dekade zwischen 2020 und 2030 aus der Braunkohle aussteige, sagte er. Eine Sofortmaßnahme könne das Abschalten des Kraftwerks Jänschwalde sein. Schellnhuber geht davon aus, dass die Tage der Braunkohle auch mit dem Verkauf der Kraftwerke an die tschechische LEAG gezählt sein werden. "Ich glaube, dass der Deal mit dem tschechischen Investor vielleicht vier, fünf Jahre tragfähig ist, höchstens vielleicht zehn." In den nächsten Jahren werde es auf dem Weltmarkt ein Überangebot an billigeren fossilen Brennstoffen wie Erdgas und Steinkohle geben, womit die Braunkohle nicht mithalten könne. Dann aber werde der Kohleausstieg auf dem Rücken der Arbeiter ausgetragen.

Ein frühzeitiger Ausstieg aus der Braunkohle sei wichtig

Die Einwände, etwa die Versorgungssicherheit, hält Schnellnhuber für übertrieben. "Es ist nicht so, dass die Lichter in Brandenburg ausgehen würden." In der Übergangszeit, bis der Gesamtbedarf über erneuerbare Energien gedeckt werden kann, sollte nach seinen Worten auf weniger klimaschädliche Gaskraftwerke zurückgegriffen werden. "Das Gas muss ja nicht aus Rußland kommen." Am zweiten Potsdamer Klimaschutzinstitut, dem Institut for Advanced Sustainability Studies (IASS), sieht man die Situation in Brandenburg differenzierter. Man müsse dem Land auch "ein Lob in der Energiepolitik aussprechen, weil es ein Vorreiter beim Ausbau und der Nutzung erneuerbarer Energien ist", sagte Mark Lawrence, wissenschaftlicher Direktor am IASS. Und zumindest das IASS ist vom Wirtschaftsministerium auch in die laufende Überarbeitung der Energiestrategie des Landes eingebunden.

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