Energieversorger : Strom von Vattenfall wird deutlich teurer

Der Energieversorger Vattenfall will im kommenden Jahr die Strompreise für seine Berliner Kunden drastisch erhöhen. Nach Tagesspiegel-Informationen soll Strom für Privatkunden im Durchschnitt um 5,9 Prozent teurer werden. Für Gewerbekunden soll der Preis sogar um neun Prozent steigen.

Stefan Jacobs
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Da braut sich was zusammen. Berliner ärgern sich über die Preiserhöhung des Energieriesen. -Foto: ddp

BerlinOffiziell will Vattenfall die Erhöhungen am Mittwoch Vormittag verkünden. Für einen Zweipersonenhaushalt mit 2500 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergeben sich Mehrkosten um 25 Euro pro Jahr. Der Grundpreis soll stabil bleiben, so dass sich die jährlichen Stromkosten für diesen Haushalt dann auf etwa 565 Euro summieren.

Ein Vattenfall-Sprecher wollte die Preissprünge weder bestätigen noch dementieren. Wie der Tagesspiegel vorab erfuhr, sollen die Anhebungen mit Mehrkosten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz begründet werden, das einen jährlich steigenden Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen vorschreibt. Andreas Jarfe, Landesgeschäftsführer des Umweltverbandes BUND, bezeichnete dieses Argument auf Nachfrage allerdings als vorgeschoben. Er verwies darauf, dass es – je nach Verbrauch – zu vergleichbaren Preisen bereits „echten“, also zertifizierten Ökostrom von konzernunabhängigen Anbietern gebe. Zahlreiche Umweltverbände werben seit langem mit der Kampagne „Atomausstieg selber machen“ für den Wechsel zu diesen Anbietern.

„Wahrscheinlich sollen durch die Strompreiserhöhungen die jahrelangen strategischen Fehlentscheidungen für Atomenergie, für klimaschädliche Kohle und für die enorm aufwändige Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid aus Kraftwerken kompensiert werden“, sagte Jarfe. Nach Ansicht von Michael Schäfer, Energieexperte der Berliner Grünen „müssen in Wahrheit wohl die Berliner Kunden für Vattenfalls Einnahmeausfall durch die stillgelegten Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel draufzahlen.“

Eric Schweitzer, der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), kritisierte die neunprozentige Erhöhung für Gewerbekunden. „Die Unternehmen brauchen in diesen Zeiten keine zusätzliche Belastung, sondern eine Entlastung.“ Das gelte insbesondere für Berlin mit seiner relativ schwachen Wirtschaftskraft. Schweitzer forderte von der neuen Bundesregierung, Strommarkt und Netzzugang weiter zu liberalisieren. Die aktuelle Preiserhöhung treffe vor allem den Mittelstand, weil Großunternehmen ohnehin individuelle Verträge mit Energieversorgern aushandeln würden, sagte Schweitzer.

Als Nachfolger des früheren landeseigenen Monopolisten Bewag hat Vattenfall bei Privatkunden und Kleingewerbe in Berlin zurzeit knapp 80 Prozent Marktanteil. Mitte 2007 waren mehr als 200 000 Berliner zu anderen Stromanbietern gewechselt, nachdem Vattenfall die Preise für seinen wichtigsten Tarif um 6,5 Prozent erhöht hatte. Viele Kunden waren vor allem verärgert, weil der Konzern für sie zugleich ungefragt eine Versicherung abschließen wollte, aber ihnen günstigere Tarifmodelle im eigenen Portfolio verschwiegen hatte.

Laut dem Internetportal Verivox haben Privatkunden in Berlin zurzeit die Auswahl zwischen 103 verschiedenen Stromtarifen von Dutzenden Anbietern.

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