Enerige : Heiße Eisen

Ein Eisläufer mit Bügeleisen-Schuhen? Ein Kanute mit Wärmflaschen- Paddel? Diese ungewohnten Bilder sind Teil einer Werbeaktion für die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung. Kritiker sehen darin eine Reklame für die Energieversorger.

Stefan Jacobs
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Ein Motiv aus der umstrittenen Werbekampagne für Kraft-Wärme-Kopplung. -Foto: promo

BerlinEine Tennisspielerin mit Waffeleisen- Schläger, ein Kanute mit Wärmflaschen- Paddel und ein Eisläufer mit Bügeleisen- Schuhen: Diese Motive sollen die Berliner für eine moderne Form der Energieerzeugung begeistern – für Kraft-Wärme- Kopplung, kurz KWK. Dabei wird die bei der Stromerzeugung ohnehin entstehende Wärme genutzt, um Gebäude zu heizen oder – mit technischen Tricks – zu kühlen. Schon in den nächsten Tagen sollen viele Plakate und Annoncen für die Technik werben, die in Berliner Kraftwerken seit Jahrzehnten Standard ist.

Die über zwei Jahre angelegte Kampagne richtet sich an Wohnungsgesellschaften, Unternehmer, Haus- und Wohneigentümer – und an Mieter, die bei der Wohnungssuche prüfen, wie ihre Bleibe beheizt wird. "Wir wollen, dass diese Technik bekannter wird", sagte Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) bei der Präsentation. Mit der Berliner Energieagentur werde die Kampagne "von einer neutralen Stelle gesteuert". Die Energieagentur wird zu jeweils einem Viertel vom Land, der KfW-Bankengruppe sowie Vattenfall und Gasag getragen. Die beiden Energieversorger steuern nach Auskunft von Agenturchef Michael Geißler 40 Prozent zum Budget von rund einer Million Euro bei. 50 Prozent stammen aus dem Energiefonds, der bei der Bewag-Privatisierung in den 90ern angelegt wurde.

Grüne befürchten Imagekampagne für Energiekonzerne

Die Geldgeber geben sich auf den Plakaten nicht zu erkennen. Laut Geißler soll es "eindeutig keine Image- Kampagne für einen der Beteiligten werden". Doch genau das fürchten die Grünen. "Warum sonst sollte Vattenfall das machen?", sagte ihr Energieexperte Michael Schäfer. "Die haben nur ein großes KWK-Projekt vor: Den Ersatz für das Kraftwerk Klingenberg." Laut Vattenfall- Vorstand Klaus Pitschke ist über den umstrittenen Neubau noch immer keine Entscheidung gefallen. Sollte er in der ursprünglich geplanten Größe errichtet und mit Steinkohle befeuert werden, würde er gut vier Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Luft blasen, also ein Fünftel der gesamten Berliner CO2-Emission. Die Technik zur CO2-Abscheidung ist noch nicht ansatzweise serienreif, und die umweltfreundlichere Erdgas-Alternative gilt bei Vattenfall wegen der hohen Gaspreise als zu teuer. "Lompscher lässt sich von Vattenfall vor den Kohlekarren spannen", resümierte Schäfer.

Die Senatorin betonte dagegen, dass sich die KWK-Technik auch "über die Fernwärme hinaus" eigne, etwa für Blockheizkraftwerke in Kellern. Rund 300 solcher Anlagen betreibt die Gasag nach Auskunft ihres Vorstandes Andreas Prohl bereits; prinzipiell kämen mehr als 150.000 Ein- und Zweifamilienhäuser in der Stadt für diese dezentrale Energieerzeugung infrage.

Wie umweltfreundlich ihre Energie erzeugt wird, dürften die Abnehmer auch zunehmend über die Preise zu spüren bekommen: Der Emissionshandel verteuert allmählich die Luftverschmutzung: Wer viel CO2 in die Luft bläst, muss immer mehr dafür bezahlen.

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