Engagierte Bürger : Mehr als jeder vierte Berliner hat ein Ehrenamt

14 Bürger wurden für ihr Engagement ausgezeichnet. Unter den Geehrten ist auch Sänger Frank Zander.

Mathias Jekosch

Das wichtigste Utensil verschwindet immer wieder hinter dem riesigen Blumenstrauß, den Frank Zander in der Hand hält. Der Strauß wippt bei all den Glückwünschen von einer in die andere Richtung. Kurz blitzt die goldene Ehrennadel an seinem Revers auf, die er gestern für sein ehrenamtliches Engagement im Wappensaal des Roten Rathauses bekam. „Die behalte ich im Herzen“, versprach der Liedermacher, der seit 1995 jedes Jahr eine Weihnachtsfeier für Obdachlose im Estrel Hotel organisiert.

Weil sein Nachname mit „Z“ beginnt, musste er sich allerdings erst einmal gedulden. Die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Heidi Knake-Werner und die Beauftragte für das bürgerschaftliche Engagement in der Senatskanzlei, Monika Helbig, vergaben zuvor in alphabetischer Reihenfolge an 13 nicht so prominente Berliner die Ehrennadel. Anlass war der internationale Tag des Ehrenamtes, an dem das Land jedes Jahr engagierte Berliner auszeichnet. Um die Anerkennung des Ehrenamts zu fördern, werden darüber hinaus auch im Sommer zwölf Berliner geehrt. „Sie sind ein Teil des Kitts, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, sagte Helbig. Etwa 29 Prozent der Berliner engagieren sich ehrenamtlich.

„Ich bin Berliner und es macht Spaß hier zu leben. Aber in so einer großen Stadt gibt es auch mehr Elend als anderswo", sagte Zander. In seine ehrenamtliche Tätigkeit ist der 65-Jährige reingewachsen. Ursprünglich war es eine Idee seiner Plattenfirma, die auf ein Beispiel in New York zurückgriff. Dort laden Künstler zur Veröffentlichung einer neuen Platte Obdachlose zum Festschmaus. Doch die Firma zog sich zurück und Zander machte die Idee mit seinem Sohn Marcus und anderen Helfern zu einem regelmäßigen Ereignis. 20 000 Euro sammelt er jedes Jahr dafür in Berlin, die gleiche Summe bringt er in Form von Sachspenden zusammen. Für seinen Einsatz bekam er 2002 von Johannes Rau das Bundesverdienstkreuz überreicht.

Nicht minder engagiert, wenn auch nicht auf so hohem finanziellen Niveau, sind die anderen Geehrten. Gonül Saracoglu zum Beispiel hilft seit zwölf Jahren Türken, im Ämterdickicht zurechtzu- kommen. „Ich habe früher solche Schwierigkeiten bekommen, da will ich denen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind“, sagt die 62-Jährige, die perfekt deutsch und türkisch spricht. „Wenn ich abends nach Hause komme, kann ich beruhigt schlafen“, sagt sie. Allen gab Knake-Werner mit auf den Weg: „Wir können auf ihr Ehrenamt in keinem Fall verzichten, weil es einen ganz anderen Impuls setzt, als es die öffentliche Hand könnte, und eine ganz andere Nähe herstellt.“

Von der Nähe kann auch Zander erzählen. Etwa 2000 Obdachlose kommen inzwischen zu seinem Weihnachtsessen. In einer Viertelstunde gehen rund 1700 Gänsebraten raus, sagt Zander. „Wenn ich dann in die Gesichter dieser Menschen schaue, geht das an die Nieren. Ich bin dann nah am Wasser gebaut“, sagte der Musiker. Auch in diesem Jahr sollen wieder einige Prominente zu seinem Fest beitragen. Für den 19. Dezember haben sich bereits Sängerin und Schauspielerin Jeanette Biedermann angesagt, Sänger Frank Schöbel, Boxer Axel Schulz, der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Friedbert Pflüger und die Band „City“.

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