• Englisch ab der 3. Klasse: Grundschulen weiten ihr Angebot aus - Nur Personalnot bremst

Berlin : Englisch ab der 3. Klasse: Grundschulen weiten ihr Angebot aus - Nur Personalnot bremst

Susanne Vieth-Entus

Die Zahl der Schulen, die bereits ab der 3. Klasse eine Fremdsprache unterrichten, wird im kommenden Schuljahr nochmals ansteigen. Laut Senatsschulverwaltung wurden rund 35 weitere Anträge von Grundschulen bewilligt, so dass insgesamt über 330 der 476 Grundschulen frühzeitig Englisch, Französisch oder Russisch anbieten werden. Dies entspricht einer Beteiligung von über 70 Prozent. Vom Schuljahr 2001/02 an soll das Angebot sogar flächendeckend vorhanden sein. So sieht es die Grundschulreform 2000 vor.

Mit Abstand vorn liegt weiterhin Englisch in der Gunst der Drittklässler. Russisch lernen wollen sie lediglich an einer Lichtenberger Grundschule, Französisch an rund zwei Dutzend Schulen. In Wedding, Treptow, Köpenick und Friedrichshain gibt es keine Grundschule mehr ohne den frühen Fremdsprachenunterricht. Dagegen liegt die Beteiligung in Hellersdorf, Schöneberg, Neukölln und Reinickendorf bei unter 50 Prozent.

Einige Kollegien schrecken noch vor dem zusätzlichen Fach zurück, weil sie keine geeigneten Lehrer haben. So machte die Landesschulbeiratsvorsitzende Elisabeth Willkomm kürzlich darauf aufmerksam, dass in Hellersdorf angeblich 16 Lehrer fehlen, um flächendeckend Frühenglisch anzubieten. Mit den 600 Lehrern, die jetzt berlinweit eine entsprechende Fortbildung absolvierten, lasse sich der Mangel aber nicht beseitigen, heißt es in der Senatsschulverwaltung. Wenn das Fach tatsächlich flächendeckend eingeführt werde solle, komme man an Neueinstellungen nicht vorbei.

Aber nicht nur der Fachlehrermangel hat Bremswirkung. Hemmend wirkt vor allem, dass keine zusätzlichen Personalmittel in die Schulen gegeben werden, um die frühe Begegnungssprache zu pflegen. Dies bedeutet, dass die Grundschulen den Fremdsprachenunterricht in den dritten und vierten Klassen aus dem ohnehin knappen Stundenpool organisieren müssen. Manche Schulen können dies nicht, weil sie dann Abstriche am Pflichtangebot machen müssten.

Klärungsbedarf sieht der Verband Bildung und Erziehung (VBE) aber nicht nur wegen des Mangels an Fachlehrern und Finanzen. Es müsse auch endlich der Rahmenplan überarbeitet werden, fordert VBE-Chef Heiner Sievert. Man könne Fünftklässler, die bereits zwei Jahre lang Englisch oder Französisch lernten, nicht so unterrichten, als hätten sie noch nie ein Wort in der Fremdsprache gehört.

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