Berlin : Engpass Hallesches Ufer: Immer wieder Stau und kein Zug

Doppelte Bauarbeiten schränken den Straßen- und U-Bahn-Verkehr massiv ein

Klaus Kurpjuweit

Für Autofahrer aus Kreuzberg wird der Weg am Landwehrkanal entlang Richtung Zoo im Sommer noch beschwerlicher, als er jetzt schon ist. Seit Wochen müssen sie an Baustellen der Hochbahn Slalom fahren und die Spuren wechseln, was häufig zu Staus und gefährlichen Situationen führt. Im Sommer wird es dazu abends und nachts auch nur noch eine Fahrspur geben. Damit wird der Straßenzug Hallesches Ufer zu einem Dauerengpass. Vom 5. Juli bis zum 1. September sollen die Arbeiten dauern, die zur Wegnahme einer Fahrspur führen.

Gebaut wird hier seit Monaten. Doch bisher gab es noch zwei Fahrspuren. An der Baustelle der Wasserbetriebe zwischen der Möckern- und der Schöneberger Straße hat man sogar eine neue Spur geschaffen und dafür vorübergehend den Gehweg auf der Kanalseite beseitigt. Am rechten Fahrbahnrand erneuern die Wasserbetriebe einen so genannten Mischkanal mit Rohren fürs Trink- und Abwasser. Etwa 1,5 Millionen Euro werden diese Arbeiten an der knapp 500 Meter langen Baustelle kosten, die noch bis Ende Oktober 2004 dauern sollen. Danach wird die Behelfsfahrbahn wieder entfernt.

Im Bereich der U-Bahn-Baustelle gibt es jedoch keinen Platz für eine Erweiterung der Fahrbahnen. Die BVG braucht aber eine Spur, um in den Abend- und Nachtstunden Material liefern zu lassen und um Kranfahrzeuge aufstellen zu können. Die BVG baut auf der 1902 eröffneten Hochbahnstrecke „Flüstergleise“ ein. Dabei wird der herkömmliche Schotteruntergrund durch eine „feste Fahrbahn“ ersetzt. Die Schienen sind dabei auf Gummi gelagert und erhalten zusätzlich spezielle Dämmmatten. Der Lärm nimmt ab.

Versuche auf einer etwa 100 Meter langen Teststrecke am Bahnhof Prinzenstraße seien so erfolgreich gewesen, dass die BVG nun die gesamte Hochbahn zwischen Gleisdreieck und Warschauer Straße erneuern wolle, sagte BVG-Sprecher Wolfgang Göbel. In diesem und im nächsten Jahr ist der Abschnitt zwischen den Bahnhöfen Möckernbrücke und Hallesches Tor an der Reihe. Derzeit werden die Fundamente der Träger verstärkt und die Stahlkonstruktionen saniert. Für den Einbau der „festen Fahrbahn“ werden die Linien U 1 und U 15 in diesem und im nächsten Jahr etwa zwei Monate lang im Baustellenbereich unterbrochen. Fahrgäste müssen in Busse umsteigen. Und diese können dann in dem von den Kollegen der U-Bahn verursachten Stau auf der Straße stecken.

Dass in dem Straßenzug zwei Baustellen – die der BVG und dann diejenige der Wasserbetriebe – angeordnet sind, habe sich nicht vermeiden lassen, sagt Peter Rimmler, der bei der Stadtentwicklungsverwaltung die Baustellen koordiniert. Der Leitungsneubau sei seit Jahren geplant gewesen, aber bisher am fehlenden Geld gescheitert. Der Senat muss die Abwasserrohre mitfinanzieren, weil durch sie auch Regenwasser fließt. Da das Geld jetzt vorhanden gewesen sei, habe auch gebaut werden müssen, sagte Rimmler. Und die BVG könne nur im Sommer bauen; ein Aufschub der Arbeiten sei auch nicht möglich gewesen. Gegenseitig behinderten sich die Baustellen nicht, so Rimmler. Aber sie machen die Gesamtbaustelle länger – und damit auch stauanfälliger.

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