• Engpass in Lichterfelde: Fußgänger beklagen „Schildkrötenstreich“ auf der Moltkebrücke

Engpass in Lichterfelde : Fußgänger beklagen „Schildkrötenstreich“ auf der Moltkebrücke

Am S-Bahnhof Botanischer Garten gibt es Unmut über Betonklötze, die eine marode Brücke schützen. Am Donnerstag findet eine Diskussionsveranstaltung statt – aber die Senatsverwaltung sieht alternative Lösungen skeptisch.

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Am Rand wird’s dünn. Poller sollen verhindern, dass Autos dort hingelangen.
Am Rand wird’s dünn. Poller sollen verhindern, dass Autos dort hingelangen.Foto: Cay Dobberke

In Lichterfelde geht das Wort von der „Verpollerung“ um. Zahlreiche Bürger stören sich an halbrunden Betonklötzen, die eine Schutzmaßnahme für die baufällige Moltkebrücke vor dem S-Bahnhof Botanischer Garten sind.

38 sogenannte Schildkrötenpoller hatte die Stadtentwicklungs- und Verkehrsverwaltung im Herbst auf den Gehwegen verlegen lassen. Fußgänger sind „stinksauer“ und fühlen sich eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit. Die Steglitz-Zehlendorfer Grünen haben nach eigenen Angaben 1050 Protestunterschriften gesammelt. Am Donnerstag veranstalten sie ein Bürgergespräch, zu dem auch Vertreter der Polizei und Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler eingeladen wurden. Letzterer hat aus Zeitmangel abgesagt, aber in einem Brief Stellung genommen.

Die 1909 erbaute Stahlbrücke halte keine großen Gewichte mehr aus, argumentiert Gaebler. Die Poller seien notwendig, um „sowohl das Beparken als auch das unbewusste Befahren“ der Gehwege zu verhindern. Autos, die außer Kontrolle geraten, sollen also vom Brückenrand ferngehalten werden – denn dort könnte es nach Ansicht von Fachleuten zum Einsturz kommen. Für Lkw mit mehr als 12 Tonnen Gewicht wurde die ganze Brücke gesperrt.

Auf einer Seite der Fahrbahn gilt ein Halteverbot. Und damit die von 3,50 auf 2,25 Meter verengten Gehwege passierbar bleiben, dürfen am Brückengeländer keine Räder mehr angeschlossen werden. In der Praxis wird dies oft ignoriert. Zurzeit werde eine Schadensanalyse erarbeitet, die 2014 vorliegen solle, schreibt Gaebler. Man müsse die Brücke sanieren oder neu errichten.

Der Grünen-Bezirksverordnete Bernd Steinhoff hält die Poller für gefährlich, vor allem für ältere und behinderte Menschen. Ausweichmanöver seien notwendig, wenn sich Passanten begegnen, die Kinderwagen oder Fahrräder schieben; dabei sei es schon zu Stürzen gekommen. Außerdem werde die Brücke verschandelt. Die Grünen und Anwohner haben Alternativen ins Gespräch gebracht, die aus Gaeblers Sicht aber problematisch sind. So gebe es den Vorschlag, „Betonborde oder Betonleitschwellen“ zu installieren. Doch das bringe „ein Mehrfaches an Gewicht auf die geschädigten Gehwege“.

Eine andere Lösung sieht Steinhoff in Doppel-Leitplanken wie an Autobahnen. Laut Gaebler sind „massive Leiteinrichtungen“ auch für den zuständigen Fachbereich seiner Verwaltung eine „vorstellbare Alternative“. Die Folge wäre allerdings, dass der Verkehr nur noch einspurig über die Brücke geführt werden könne und das Parken beiderseits der Fahrbahn verboten werden müsse.

- Das Bürgergespräch der Grünen beginnt am 23. Mai um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Schwericke, Moltkestraße 1.

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