Berlin : „Enormer Imageschaden für Partei und Person“

Sabine Beikler

Buchstäblich schwarz für die Berliner CDU und für Friedbert Pflüger sieht der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer. „Sowohl die Union als auch Friedbert Pflüger haben durch die jüngsten Ereignisse in der Partei einen enormen Imageschaden erlitten“, sagte Niedermayer dem Tagesspiegel. „Die CDU kommt dem Wähler nur noch zerstritten vor und deshalb wird es sehr schwer für sie werden, ihn wieder von sich zu überzeugen“. Mit dem Rückzug von seiner Kandidatur zum Parteivorsitz habe Pflüger selbst seine Glaubwürdigkeit schwer beschädigt. „Er hätte dazu stehen müssen“, sagte Niedermayer. Unabhängig von Pflügers politischer Zukunft sei es „sehr schwer, mit so einem Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen“.

Als Pflüger vergangene Woche seine Kandidatur zum Parteivorsitz ankündigte, habe er erwartet, dass die Partei sich nun mit Inhalten und Personalfragen beschäftige. Die Berliner CDU müsse sich endlich klar entscheiden: entweder für einen konservativen Kurs oder für eine moderne Großstadtpartei, für die Pflüger stehe. Mit einer Kandidatur Pflügers wäre eine klare Entscheidung für den Kurs der CDU gefallen. Da Pflüger aber offenbar keinen oder zu wenig Rückhalt in seiner Partei habe, hätte er ihm in der Konsequenz geraten, den Fraktionsvorsitz abzugeben, sagte Niedermayer.

Die Situation in der Partei sei auch deshalb sehr verfahren, weil auch Pflügers Gegner wenig personelle Alternativen für das Amt hätten. „Außerhalb von Berlin macht das sicher niemand mehr. Wer wird nach diesen Machtkämpfen da noch in die Bresche springen und so ein Risiko aufnehmen“, sagte der Parteienforscher.

Die einzige Chance für die CDU bestehe jetzt noch darin, geschlossen aufzutreten und klare Inhalte zu vermitteln, um ihr schlechtes Image im Auge des Wählers zu verbessern.

Niedermayer sieht neben all den Diskussionen und Streitereien innerhalb der CDU auch noch ein strukturelles Problem: die parteiinterne Machtverteilung. Die „Kreisfürsten“, also die Kreisvorstände, seien zu mächtig und könnten jegliche Entscheidung der Partei- und Fraktionsspitzen konterkarieren. Sabine Beikler

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