Berlin : Entführung eines Alba-Chefs vereitelt

Tat im Gefängnis geplant / Ex-Kaufhauserpresser in Haft BERLIN (weso).Die Polizei konnte die Entführung eines wohlhabenden Berliner Geschäftsmannes noch in der Planungsphase verhindern.Bei den Verdächtigen, die ihre Straftat bisher bestreiten, handelt es sich um Ex-Häftlinge und Freigänger.Hintermann der Entführung, die für die kommenden Wochen geplant war, soll der Hertie-Erpresser Heinz Koplin sein.Gegen den 62jährigen und einen weiteren Verdächtigen wurde am Mittwoch Haftbefehl wegen Verdachtes der Verabredung zur Geiselnahme und des erpresserischen Menschenraubs erlassen, bestätigte Justizsprecherin Corinna Bischoff.Bereits seit Januar ermittelt die dritte Mordkommission.Damals hatten die Fahnder einen anonymen Hinweis erhalten und in den folgenden Monaten den Fall "Mosaikstein für Mosaikstein" zusammengetragen, sagte Corinna Bischoff.In den letzten Wochen verdichteten sich die Hinweise, daß die Täter in der zweiten Jahreshälfte zuschlagen wollten.Allerdings hatten sie sich bis zuletzt nicht endgültig auf das Opfer geeinigt.Vieles deutet aber daraufhin, daß ein Chef der privaten Müll- und Recyclingfirma Alba entführt werden sollte. Am Dienstag durchsuchte die Polizei rund 20 Wohnungen, Autos und Zellen.Aus dem sichergestellten Material geht offenbar auch hervor, daß Koplin und seine Komplizen für die Freilassung ihres Opfers mehrere Millionen Mark verlangen und es vermutlich in Berlin oder der näheren Brandenburger Umgebung verstecken wollten.Allerdings soll noch kein Versteck vorbereitet worden sein. Der frühere Besitzer des Fernsehdienstes Koplin hatte bereits 1989 Schlagzeilen gemacht - als Erpresser des Hertie-Konzerns.Er war deswegen 1991 zu elf Jahren Haft verurteilt worden.Nach Informationen des Tagesspiegels begann er noch im Gefängnis die Entführung zu planen und sprach mehrere Mithäftlinge an, ob sie dabei mitmachen wollten.Nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe war Koplin im März dieses Jahres entlassen worden.Bisher bestritt er, die Entführung geplant zu haben.Dennoch erließ ein Richter Haftbefehl gegen ihn und einen mutmaßlichen Komplizen.Dieser war wegen sexuellen Mißbrauchs und Vergewaltigung in Haft und bis weit über die Jahrtausendwende zu Sicherungsverwahrung verurteilt.Dennoch durfte er in den offenen Vollzug. Koplin hatte 1989 mit seinen Komplizen im KaDeWe und weiteren Hertie-Kaufhäusern in Westdeutschland Bomben gelegt.Die Täter hatten über fünf Millionen Mark verlangt, die von einem Zug aus abgeworfen werden sollten.Die Geldboten wurden bis nach Brüssel gelockt.Dort platzte Mitte September 1989 eine Geldübergabe, weil die als Geldboten eingesetzten sprach- und ortsunkundigen Polizeibeamten am falschen Bahnhof ausstiegen.Dennoch gelang es, die Täter festzunehmen, weil sie nicht nur eine Hertie-Kontaktnummer angerufen hatten, sondern auch den Fernsehdienst in Neukölln: Ihr Pech.Die belgische Telefongesellschaft hatte die gewählten Rufnummern gespeichert. Nun drohen den gescheiterten Erpressern saftige Haftstrafen.Für Geiselnahme und erpresserischen Menschenraub sieht das Gesetz Haftstrafen nicht unter fünf Jahren vor.Der Versuch werde allerdings in der Regel milder bestraft, sagte Corinna Bischoff.

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