Entführung in Berlin : Freilassung nach Lösegeldzahlung

Die knapp zweiwöchige Entführung eines jungen Mannes aus Berlin ist nach der Zahlung von Lösegeld glimpflich zu Ende gegangen. Dabei soll es sich um "einen der komplexesten Entführungsfälle" in Berlin gehandelt haben.

Berlin - Wie der Leiter des Landeskriminalamtes Peter-Michael Haeberer am Donnerstag in Berlin sagte, war der 20-jährige Vadim F. in der Nacht zum 18. August auf dem Heimweg von einer Kinovorstellung in seinem Auto vor seiner Neuköllner Wohnung in der Hermannstraße überfallen und entführt worden. Kurz darauf hätten sich die Entführer bei der Mutter ihres Opfers, einer zwischen St. Petersburg und Berlin pendelnden Ärztin, gemeldet und Lösegeld gefordert.

Geldübergabe in Pausin

Zu den Tätern, vermutlich drei Männer russischer Herkunft, habe es seit dem 23. August Kontakt gegeben, sagte der Hauptabteilungsleiter der Staatsanwaltschaft, Uwe-Michael Liedtke. Details wollte er jedoch nicht nennen. Am 29. August sei das Lösegeld, ein sechsstelliger Betrag mit auffallend hohem Anteil an 500-Euro-Scheinen, im brandenburgischen Pausin übergeben worden. Das Opfer sei am Tag darauf in der Stubenrauchstraße in Rudow freigelassen worden.

In der eigens gegründeten Sonderkommission "St. Petersburg" waren bis zu 200 Beamte mit den Ermittlungen und Observationen betraut, darunter Spezialeinsatzkommandos aus mehreren Bundesländern. Auch russische Behörden waren an der internationalen Fahndung beteiligt. Haeberer bezeichnete die Entführung als "einen der komplexesten Entführungsfälle" in Berlin.

Während seiner Geiselhaft habe sich Vadim F., der einen russischen und einen israelischen Pass besitzt, vermutlich in einer Berliner Wohnung aufgehalten, sagte Liedtke. Das Entführungsopfer sei erschöpft, aber körperlich unversehrt. Zurzeit befinde sich der junge Mann bei seiner Familie und werde dort betreut.

Vergleichbare Entführungsfälle in der Region liegen bereits einige Zeit zurück. Im September 1997 war der 20 Jahre alte Matthias Hintze aus Geltow bei Potsdam gekidnappt und drei Wochen später tot in einem Erdloch bei Waren/Müritz gefunden worden. Die russischen Entführer Sergej Serow und Viatcheslaw Orlow hatten eine Million Mark Lösegeld gefordert. Sie wurden später wegen Mordes verurteilt.

Kurz vor der Entführung Hintzes war der Computerhändler Alexander Galius in Berlin-Charlottenburg verschleppt worden. Serow und Orlow wurden auch in diesem Fall angeklagt und wegen erpresserischen Menschenraubes verurteilt. Eine Verurteilung wegen Mordes war nicht möglich. Von Galius fehlt bis heute jede Spur. (David Rollik und Britta Schultejans, ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben