Berlin : Entführungsopfer lag in der Klinik

WERNER SCHMIDT

BERLIN .Wer untertauchen möchte, hat in einem Berliner Krankenhaus beste Chancen.Eine Woche lang wurde dort ein 47jähriger Mann aus Aserbaidschan behandelt, während die Polizei den längst als vermißt gemeldeten Eltchin Mustafabejli als mögliches Entführungsopfer verzweifelt suchte.Sogar ein Bild von ihm wurde in den Medien veröffentlicht.Erst danach gelang es, den von Kriminellen entführten und schwer verletzten Mann in der Klinik ausfindig zu machen.In einem anderen Fall lag ein nach einem Unfall verletzter Radfahrer sieben Tage lang im Koma auf der Intensivstation, ehe er identifiziert werden konnte.

Der Mann war am 10.Juni verunglückt.Bereits einen Tag nach dem Unfall versuchte die Lebensgefährtin des Opfers, bei der Polizei eine Vermißtenanzeige aufzugeben - und wurde von den Beamten abgewimmelt.Mit dem Hinweis "Vermißte Männer haben wir alle Tage" wurde sie nach Hause geschickt.Für die Vermißtenstelle im Landeskriminalamt ein Ärgernis.Zwar werden die Beamten auf den Abschnitten immer wieder darauf hingewiesen, bei Vermißtenanzeigen mit Fingerspitzengefühl vorzugehen und die genauen Umstände des Verschwindens zu erfragen, sagte Kriminaloberrat Jochen Sindberg.Allerdings ermittle die Polizei nicht sofort, wenn ein Mensch vermißt werde.

Die Beamten sind allerdings angehalten, unverzüglich zu handeln, wenn der Verdacht besteht, daß der Vermißte Opfer eines Unfalls oder einer Straftat geworden sein oder Selbstmord verüben könnte.Allerdings: "Vermißtenfälle sind das aufwendigste, was man sich vorstellen kann".Fernschreiben müssen geschrieben und eine Fahndung veranlaßt werden.

Aber nicht nur die eigenen Kollegen erschweren in manchen Fällen die Suche nach Vermißten, auch die Krankenhausärzte unterstützen nach Auffassung der Polizei ihre Bemühungen nicht intensiv genug.So wünschen sich die Strafverfolger häufiger Hinweise der Mediziner, wenn bei Kindern Mißhandlungen diagnostiziert werden.Aber: "Die Ärzte verstehen sich erst in zweiter Linie als Strafverfolger.Das Wohl der Patienten steht im Vordergrund", sagte der Sprecher der Senatsgesundheitsverwaltung, Christoph Abele.Nach Auskunft eines Polizeisprechers sei das Klinikpersonal allerdings verpflichtet, bei Patienten ohne Personalpapiere die Polizei zu informieren, um die Identität klären zu können.

Für die Mediziner dagegen steht an oberster Stelle auch die ärztliche Verschwiegenheit.Wer diese bricht, muß laut Gesetz mit einer Geld- oder sogar einer Freiheitsstrafe rechnen.Unter die ärztliche Verschwiegenheit fallen laut Abele neben dem Namen des Patienten auch die Art der Verletzungen.Selbst Schußwunden dürfen daher nicht genannt werden.Ausnahmen sind lediglich aufgrund eines anderen Gesetzes möglich, wie beispielsweise dem Bundesseuchengesetz.Sogar "sittliche Verfehlungen und Straftaten" gelten nach dem "Handbuch des Arztrechts" von Lauf und Uhlenbruck als "geheimnisfähig", sagte der Sprecher der Gesundheitsverwaltung, Christoph Abele.

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