Berlin : Entkommener Häftling in Neukölln gefasst

Fahnder stellten Hassan Ch., der am 1. August aus einem Toilettenfenster in Moabit geflüchtet war

Tanja Buntrock

Die Zielfahnder hatten den entflohenen Strafhäftling Hassan Ch. offenbar schon länger im Visier: Gestern Morgen nahmen Kripobeamte den 28-Jährigen, der am 1. August aus einem Toilettenfenster im Kriminalgericht Moabit geflohen war, mitten auf der Schöneweider Straße in Neukölln fest. Hassan Ch. hatte noch versucht, den Zielfahndern zu entkommen, lief dabei aber „einem Beamten direkt in die Arme“, wie ein Ermittler berichtete.

Ob sich der Entflohene, der zu einer polizeibekannten libanesischen Großfamilie gehört, die ganze Zeit in Neukölln aufgehalten hatte oder zwischenzeitlich anderswo untergetaucht war, konnte die Polizei gestern nicht sagen. Auch zu den Umständen der Festnahme gab es keine Angaben. Nach Tagesspiegel-Informationen soll Hassan Ch. aber ohnehin geplant haben, sich der Behörde zu stellen.

Noch immer fehlt hingegen jede Spur von dem wegen schweren Betruges Angeklagten Martin R., der am vergangenen Dienstag ebenfalls aus dem Moabiter Kriminalgericht entwichen war. Der 44-Jährige hatte einen Justizangestellten mit einer Scherbe bedroht, ihn gefesselt und geknebelt und in eine Vorführzelle gesperrt. Mitsamt dem Schlüsselbund des Wachtmeisters entkam Martin R. unbehelligt aus dem Gerichtsgebäude.

Nach der spektakulären Flucht von Hassan Ch. aus dem Toilettenfenster im Kriminalgericht wurde Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) von der Opposition heftig kritisiert. Die CDU-Fraktion verlangte ihren Rücktritt. In diesem Jahr machten der Senatorin fünf Fluchten zu schaffen. Bereits im November 2005 hatte der damalige Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge entscheidende Sicherheitsmängel im Kriminalgericht angeprangert: Unter anderem mahnte er die mangelhafte Technik und fehlendes Personal an.

Wie ein Gerichtssprecher mitteilte, werde die nächste Hauptverhandlung gegen den Angeklagten Hassan Ch. unter „erhöhten Sicherheitsbedingungen stattfinden“. Der Prozess werde in einem besonders gesicherten Saal geführt, „es wird alles getan, damit der Angeklagte nicht noch mal entweichen kann“, hieß es. Hassan Ch. war die Flucht vor fünf Wochen auch deshalb gelungen, weil er von seinem Bewacher auf eine öffentliche Toilette geführt worden war und nicht auf das WC in der Vorführzelle, das vergittert ist. Die Justizsenatorin reagierte auf die Festnahme „erleichtert“, wie eine Sprecherin sagte. Die Umstände der Flucht seien untersucht und die Mängel beseitigt worden.

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