Entscheidung in Großbritannien : Briten in Berlin haben Probleme bei der Briefwahl

Berliner Briten sind auf die Briefwahl angewiesen. Das scheint aber nicht immer problemlos zu klappen. Der Postweg kann ganz schön dauern.

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Vor zwei Jahren war die Queen zuletzt in Berlin zu Gast, rund 15.000 Briten sind hier gemeldet.
Vor zwei Jahren war die Queen zuletzt in Berlin zu Gast, rund 15.000 Briten sind hier gemeldet.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wer in Zeiten von Snapchat und Whatsapp Briefe verschickt, ist entweder ein hoffnungsloser Romantiker oder ein hoffnungsloser Demokrat und lebt außerhalb seines Heimatlandes. Vor allem wegen der hohen Mobilität innerhalb der EU nimmt die Beliebtheit der Briefwahl zu. 14.931 Briten leben laut Statistikamt Berlin-Brandenburg in der deutschen Hauptstadt. Auch sie können an der britischen Unterhauswahl am Donnerstag teilnehmen – theoretisch.

Das ginge per Briefwahl oder durch eine Vollmacht für einen Vertrauten in Großbritannien. Die Stimme in der Botschaft abzugeben, ist aber keine Option. „Das System sieht ausreichend Möglichkeiten vor, auch im Ausland zu wählen, sodass dieses Angebot nicht notwendig ist“, sagte eine Sprecherin der Britischen Botschaft in Berlin am Mittwoch.

Auf der offiziellen Homepage der Wahlkommission können sich Bürger des Vereinigten Königreichs über ihre Möglichkeiten zur Stimmabgabe informieren. Beim Punkt Briefwahl steht am Tag vor der Wahl: „Es ist jetzt zu spät, um sich für die Briefwahl anzumelden. Der späteste Zeitpunkt war der 23. Mai.“

Die 24-jährige Wahlberlinerin Ailish Trimble hat die Unterlagen am 18. April beantragt, sagt sie – an dem Tag, als Premierministerin Theresa May die Neuwahlen angekündigt hat. Nach mehreren Nachfragen und der Beantragung einer Notfall-Wahlkarte sei der Umschlag aus London erst am Dienstag – also zwei Tage vor der Wahl – bei ihr im Bötzowkiez eingetroffen. Ziemlich knapp, meint die Britin. Ähnliche Probleme habe sie auch schon beim Brexit-Referendum gehabt.

Eine Expressendung nach Großbritannien kostet 50 Euro, sagt man ihr im Postamt. „Es kann nicht sein, dass ich so viel Geld zahlen muss, nur um mein Wahlrecht auszuüben“, sagt Ailish Trimble. Auf Facebook machte die Illustratorin ihrem Ärger Luft. Gleich im ersten Kommentar schreibt jemand, er habe von weiteren Fällen gehört. Bei der Botschaft weiß man allerdings nichts von derlei Problemen.

Britische Medien berichteten am Dienstag, dass in der Küstenstadt Plymouth mehr als 300 Briefwahlumschläge verloren gegangen sind. Etwa ein Siebtel der Wähler im Vereinigten Königreich wählt per Brief.

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