Berlin : Entscheidung nach 17 Jahren

Die lange Debatte zum Bau des Schlosses

Matthias Oloew

Mit dem Untergang der DDR und der Schließung des Palasts der Republik begann die Diskussion um den Wiederaufbau des Schlosses – wenn auch zunächst recht zaghaft.

1993: Wilhelm von Boddien gibt der Debatte neuen Schwung: Er stellt ein Gerüst auf und hängt eine Plastikplane mit der Fassade des Schlosses daran, um zu zeigen, wie der Platz in der Mitte der Stadt aussehen könnte, wenn das imposante Bauwerk zurückkehren würde. Die Fragen, die in der anschließenden Auseinandersetzung auftauchen, werden bis heute diskutiert. Etwa: Wie sinnvoll ist der Aufbau einer historischen Kopie? Wäre ein Neubau in zeitgenössischer Architektur nicht besser? Wie authentisch wäre eine Kopie? Welche Funktion soll das Gebäude haben? Was passiert mit dem Palast der Republik?

1994 starten Bund und Land einen städtebaulichen Ideenwettbewerb für die Spreeinsel. Hier soll, neben dem Spreebogen, der zweite Teil der Parlaments- und Regierungsbauten entstehen. Das damalige Umzugskonzept des Bundes sieht an dieser Stelle nicht nur das Auswärtige Amt, sondern auch das Innenministerium, ein Kongresszentrum und eine Bibliothek vor. Der Bund entscheidet jedoch, die Ministerien hauptsächlich in bestehenden Gebäuden unterzubringen. Damit sind die Planungen und die eingereichten Entwürfe obsolet.

1997 loben Bund und Land ein internationales Interessenbekundungsverfahren zur Bebauung des Schlossplatzes aus. Die Teilnehmer sollen nicht nur erklären, wie das Projekt einer Neubebauung finanziell zu stemmen sei, sondern auch, ob eine Rekonstruktion des Schlosses machbar wäre. Von den 14 eingereichten Konzepten werden sieben ausgewählt und ausgestellt. Das Verfahren führt aber zu keinem umsetzbaren Ergebnis.

1999 richten Bund und Land schließlich eine Expertenkommission ein, die Konzepte für den Schlossplatz ausarbeiten und endlich die Frage beantworten soll: Bauen wir ein Schloss, oder lassen wir es bleiben?

2000: Im Oktober wird die Kommission berufen, die sich 2002 mit dem knappen Abstimmungsergebnis von 8:7 für einen Bau in der Kubatur des Schlosses ausspricht.

2002: Auf der Grundlage dieser Empfehlung votieren die Abgeordneten des Bundestages im Juli in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit für die Wiederrichtung des Schlosses.

2003: Im November bestätigen die Abgeordneten bei einer neuerlichen Abstimmung den Bauplan; verbindlich wird dieser aber erst, als das Bundesbauministerium erstmals Zahlen auf den Tisch legt, was das Schloss kosten soll. Zunächst ist von 750 Millionen Euro die Rede, inzwischen soll der Bau aber für 480 Millionen zu haben sein.

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