Berlin : Entsetzen bei den Alliierten

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„Die Entdeckung des KZ Oranienburg ruft bei den Alliierten unvorstellbares Entsetzen hervor. Ich hörte es im englischen Rundfunk. Was jetzt zutage tritt, muß über alle Maßen grauenhaft sein. Selbst wir, die in Berlin viel erfuhren und noch mehr ahnten, sind fassungslos.“

(Aus: Ursula von Kardorff, Berliner Aufzeichnungen 19421945. Verlag C.H.Beck, München 1992)

Bericht eines norwegischen Journalisten: „Als ich gestern gegen halb ein Uhr zum Hotel Adlon hinüberkomme, schlagen die Geschosse der russischen Artillerie mit Poltern und Getöse vor dem Eingang zu den Linden ein. Im Speisesaal sind die wenigen Gäste überwältigt von der Bereitwilligkeit der Kellner, den Wein in Strömen auszuschenken, sonst heißt seit langem die Regel: ein Glas pro Kopf. Nun ja, lieber die letzten Gäste bezahlen lassen, als alles den Russen geben. Der Alexanderplatz, die ganze innere Stadt, liegt schon unter russischem Beschuss. Die Häuser beben, die Scheiben klirren, die Leute flüchten von den Straßen wie bei einem Luftangriff. Von den östlichen Stadtteilen strömen Scharen von Flüchtlingen dem Zentrum zu.“

(Aus: Der Kampf um Berlin 1945 in Augenzeugenberichten. Herausgegeben von Peter Gosztony. Karl Rauch Verlag Düsseldorf 1970)

Erinnerung von Lothar Loewe, späterer SFB-Intendant: „In den Kellern des Flughafens spielten sich nachts gespenstische Orgien ab. Auf den Feldbetten vergnügten sich Soldaten und Offiziere mit den Stabshelferinnen. Deren Schutzbedürfnis und ihre verzweifelte Hoffnung, sich mit Hilfe irgendeines Offiziers oder Feldwebels noch aus Berlin retten zu können, ließ alle Hemmungen schwinden.“

(Aus: Walter Kempowski: Das Echolot. Abgesang ’45. Ein kollektives Tagebuch. Albrecht Knaus Verlag, München 2005)

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