Entsorgung : 20 Säcke Müll auf einem Hektar Grün

Nach drei Tagen Sommerwetter kämpfen die Ämter mit den Überresten der Sonnenanbeter. Allein im Bezirk Mitte fielen über Pfingsten 200 Tonnen Abfall an. Der Steuerzahler muss für die Entsorgung aufkommen.

Thomas Loy
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Tausende grillten am sonnigen Wochenende in den Parkanlagen. Die meisten ließen, wie hier im Tiergarten, ihren Müll zurück. -Foto: Georg Moritz

Krähenschwärme ziehen im Tiefflug über die vermüllte Wiese. Die Vögel picken aus den Plastiktüten, was die Menschen übrig gelassen haben. Dazwischen Hügel aus verbrannter Asche. Das ist die Grillzone des Großen Tiergartens nach drei Tagen Pfingstvergnügen.

„Es war schrecklich, ganz extrem“, sagt der Leiter des Grünflächenamtes Mitte, Hans-Gottfried Walter. Das sonnige Wetter hat Berliner und Touristen in Scharen in die Parkanlagen strömen lassen. Danach sah es so aus wie immer. Bis zu 60 Leute hat Walter zum Saubermachen im Einsatz, eigene Kräfte, Fremdfirmen, ABM-Leute und Ein-Euro-Jobber. 200 Tonnen Hausmüll werden sie – so Walters Schätzung – bis zum Abend eingesammelt haben. „Eine Tonne Hausmüll zu entsorgen kostet 150 Euro. Dafür muss der Steuerzahler aufkommen.“

Eine neue Grillordnung, Kontrollen des Ordnungsamtes, größere Papierkörbe – es scheint nichts genützt zu haben. Walter räumt ein, dass nach einem langen Wochenende auch jenseits der Grillzone im Umkreis von 500 Metern fast alle Papierkörbe überquellen, aber dass jemand den eigenen Müll einfach daneben lege, kann er nicht akzeptieren. „Die Leute sollten ihren Müll wieder mitnehmen.“

Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, äußert dagegen Verständnis für Leute, die ihre Mülltüten an volle Papierkörbe lehnen. „Das ist in der Parkordnung nicht explizit geregelt.“ Im Preußenpark, wo sich die thailändische Community trifft, kamen über Pfingsten 50 Müllsäcke zusammen, sauber verschlossen und zu kleinen Depots zusammengestellt.

„Der Park wird zu stark genutzt.“ Wenn bis zu 800 Menschen zusammenkämen, versage eben die übliche Entsorgungslogistik. Verschärfend wirke sich der Schwarzhandel mit Getränken und Lebensmitteln aus. Versuche, einzelne Händler juristisch zur Verantwortung zu ziehen, seien nicht erfolgreich gewesen, klagt Gröhler. Der Hauptorganisator des illegalen Handels habe dem Bezirk angeboten, die Müllsäcke in einem abschließbaren Verschlag zu sammeln. Das wäre vielleicht eine Lösung, aber Vereinbarungen mit jemandem, der sich nicht an Gesetze hält, das ginge dann doch zu weit, findet Gröhler. Im gesamten vergangenen Jahr hätten die Mitarbeiter des Grünflächenamtes Charlottenburg-Wilmersdorf 9000 Kubikmeter Müll aus Parks wegschaffen müssen – für Abfuhr und Entsorgung seien 250000 Euro ausgegeben worden.

In Neukölln wird die Pflege der Parkanlagen ausschließlich von Fremdfirmen erledigt, das Aufsammeln von Grillresten gehört aber nicht dazu. „Das könnten wir uns gar nicht leisten“, sagt Stadtrat Thomas Blesing (SPD). Das Einsammeln von Pappbechern und Bierflaschen übernehmen 30 Ein-Euro-Jobber eines Beschäftigungsträgers. Dafür wurde ein eigenständiges „Projekt“ gegründet. „Mit diesem Modell sind wir sehr zufrieden“, sagt Blesing. In den Grünanlagen von Neukölln- Nord ergibt sich sammelstatistisch folgende Relation: 20 Müllsäcke auf einen Hektar Parkfläche. „Es gibt die Tendenz, alles stehen und liegen zu lassen“, sagt eine Mitarbeiterin des Beschäftigungsprojektes.

Das ist auch Celik Tamraz aufgefallen, im Auftrag des Jobcenters Mitte als Müllsammler unterwegs. Er steht morgens um 11 Uhr mit seinem Handwagen allein auf der vermüllten Tiergarten-Grillwiese und fühlt sich völlig überfordert. „Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.“

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