Berlin : Entwarnung in Botschaften

Verdächtiger Palästinenser festgenommen – Sperren verringert

Werner Schmidt

Ein Palästinenser, der angeblich in Berlin Anschläge verüben wollte, ist in Prag festgenommen worden. Damit habe sich die Gefahr für die israelische und die US-amerikanische Botschaft deutlich verringert, sagten Sicherheitsexperten der Polizei in Berlin. Die Absperrungen um die israelische Gesandtschaft an der Auguste-Viktoria-Straße in Schmargendorf wurden daraufhin am Sonnabendvormittag aufgehoben.

Seit Mittwoch war die Straße, wie berichtet, für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt. Israelische Sicherheitsbeamte und deutsche Wachpolizisten kontrollierten die Kreuzungen. Auch an der US-Botschaft in Mitte und anderen amerikanischen Einrichtungen wurden die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen wieder verringert. Hintergrund der drastisch erhöhten Sicherheitsmaßnahmen war ein Brief mit einer Terrorwarnung, den die US-Botschaft in Damaskus erhalten hatte. Darin hieß es, ein Araber werde auf eine der beiden Botschaften einen Bombenanschlag verüben. Es wurde sogar der Name des Attentäters genannt. Er sollte angeblich aus dem Libanon kommen und über Warschau nach Deutschland reisen.

„Wir sind ziemlich sicher, dass es sich um den Mann handelt, der in dem Brief angesprochen ist“, sagte gestern ein Ermittler in Berlin. Der Verdächtige heißt dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge Walid M. Derselbe Name stand auch in der Warnung, die - wie inzwischen bekannt wurde - den Amerikanern in Damaskus offenbar zugespielt worden war. Aus dem Brief ging zudem hervor, dass der Anschlag zwischen Dienstag und Donnerstag vergangener Woche geplant gewesen war.

Ob Walid M. der richtige Name des Festgenommenen ist, sei noch ungeklärt, sagte ein Ermittler. Ebenso lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor, ob der Verdächtige tatsächlich einen Anschlag plante, oder ob der Mann in dem Brief an die US-Botschaft in Syrien womöglich fälschlich beschuldigt wurde. Dienstag früh landete der Palästinenser mit einer Maschine aus Moskau auf dem Prager Flughafen. Walid M. wollte ursprünglich weiterreisen, vermutlich nach Paris, also nicht direkt nach Berlin. Offenbar überlegte er es sich dann anders und beantragte in Prag Asyl. Die Gründe dafür sind derzeit nicht bekannt. Bei der Überprüfung seines Ausweises stellte sich heraus, dass er gefälscht war. Walid M. wurde festgenommen. Als dann am Mittwoch die Terrorwarnung bekannt wurde, richtete sich der Verdacht gegen ihn. In Vernehmungen habe er zugegeben, der radikalislamischen Hamas und dem islamischen Dschihad anzugehören.

Der Verdächtige wurde von sieben Palästinensern begleitet, die ebenfalls in Prag Asylanträge gestellt hätten, sagte der Berliner Ermittler. Auch sie seien festgenommen worden. Angeblich fand die tschechische Polizei Rasierklingen bei ihnen, die in Socken versteckt waren. Was sie damit vorhatten, ist den Ermittlern bisher aber nicht klar.

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