Epidemie : Zwei weitere Schweinegrippe-Fälle in Berlin

Infektionsbeauftragte Suckau warnt aber vor Hysterie. Patienten reagieren bisher gelassen, sagen niedergelassene Ärzte.

Lea Hampel

In Berlin sind weitere Fälle der Schweinegrippe aufgetreten. Ein 30 Jahre alter Berliner, der am Sonntag vor einer Woche von einer Rumänienreise zu seiner Freundin nach Königs Wusterhausen im Kreis Dahme-Spree zurückgekehrt war, ist mit dem Virus infiziert. Er hat sich wahrscheinlich in Rumänien angesteckt. Mit Kopfschmerzen und Unwohlsein war er am vergangenen Donnerstag zum Arzt gegangen, die Erkrankung wurde am Sonntag durch das Robert-Koch-Institut bestätigt. Der Mann ist damit der dritte an der Schweinegrippe erkrankte Berliner.

Zusätzlich zu dem am Wochenende bekannt gewordenen Fall der 23 Jahre alten Berlinerin ist nun auch deren Lebensgefährte betroffen. Er zeigt leichte Symptome. Noch hat das Robert-Koch-Institut den Fall nicht bestätigt, das Landeslabor Berlin-Brandenburg hat den jungen Mann jedoch positiv auf das H1N1-Virus getestet. Er befindet sich mit seiner Freundin zu Hause in Quarantäne.

Trotz der steigenden Zahl Erkrankter besteht nach Ansicht der Behörden kein Grund zur Panik. Die Brandenburger Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler und die Berliner Infektionsbeauftragte Marlen Suckau warnten vor Hysterie. Zwar rechne man mit einer zunehmenden Zahl von Fällen. Die bereits erläuterten Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und Niesen in den Ärmel statt in die Hand sollten befolgt werden. Das Tragen eines Mundschutzes sei jedoch „nach wie vor übertrieben“, betonte Suckau. Wer Kontakt zu Kranken hatte oder aus dem Ausland zurückkehre und an sich verdächtige Symptome beobachte, solle zum Arzt gehen. Suckau riet, zuvor in der Praxis anrufen, um andere Patienten nicht zu gefährden.

Die Berliner gehen trotz der Zunahme an Influenzafällen bisher entspannt mit der Situation um. Zwar hat sich die Zahl der Anrufe bei der Hotline des Bundesgesundheitsministeriums seit Verkündung der Pandemie-Warnstufe von 50 bis 100 auf 250 pro Tag erhöht. In der Senatsgesundheitsverwaltung kann von Unruhe jedoch keine Rede sein. Eine Hotline, wie sie zu Beginn der Grippe eingerichtet wurde, war mangels Anrufen wieder abgeschaltet worden. Da auch derzeit keine Anfragen kämen, sei eine Wiedereinrichtung nicht geplant. „Alle Informationen zur Prävention finden die Bürger auf unserer Internetseite“, betonte Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Erst bei Bedarf werde man wieder telefonische Informationen anbieten.

Wenig Unruhe spüren auch die Ärzte: „Nicht einmal Grippepatienten zeigten sich beunruhigt“, berichtet Sabine Omankowsky, niedergelassene Allgemeinärztin in Tiergarten. Zu Zeiten der Vogelgrippe seien Patienten regelrecht wütend geworden, wenn sie das Medikament Tamiflu nicht zur Vorsorge erhalten hätten. „Die haben einen kleinen Aufstand gemacht, weil sie besorgt waren“, berichtet Omankowsky. Auch Thomas Georgy, der eine allgemeinärztliche Praxis im Prenzlauer Berg hat, betont: „Diesmal ist der Umgang wesentlich sachlicher.“ Innerhalb der letzten Woche habe lediglich eine Patientin Bedenken geäußert, an Schweinegrippe erkrankt zu sein – ein Verdacht, der sich nicht bestätigte.

Dass die Menschen gelassener auf die Grippe reagierten, erklärten sich beide Ärzte mit dem leichteren Verlauf der Schweinegrippe. Zudem sei die Schockwirkung nach den Erfahrungen mit der Vogelgrippe kleiner.

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