Berlin : „Er fing plötzlich an zu reden“

Polizistenmord: Zeuge bestätigt Geständnis

Kerstin Gehrke

Mehmet E. schüttelte den Kopf und fingerte an den Kopfhörern, die ihn mit den Dolmetschern verbanden. Doch die Technik ließ sich dadurch nicht ausschalten. Und so drang weiter das, was er zu Beginn des Prozesses um den Mord an Hauptkommissar Uwe Lieschied widerrufen hatte, an sein Ohr. „Bei der zweiten Vernehmung gab er die Schüsse zu“, berichtete gestern ein inzwischen pensionierter Kriminalbeamter.

Der 40-jährige E. soll am 17. März letzten Jahres acht Mal auf Uwe Lieschied geschossen haben. Ohne Vorwarnung, bei einer Routinekontrolle an der Hasenheide in Neukölln. Er und sein mutmaßlicher Komplize Yusuf K. (39) waren eine Woche nach der Bluttat festgenommen worden. Der arbeitslose Türke E. gestand kurz darauf die Schüsse und führte die Ermittler zum Versteck der Waffe. Auch die DNA- und Schmauchspuren an einem Handschuh, den die Polizei in der Nähe des Tatortes gefunden hatte, passten zur Aussage von E.

Doch vor dem Landgericht widerrief der mutmaßliche Mörder. Über seine Anwälte beschwerte er sich über Schläge, Tritte und Beschimpfungen durch Polizisten. „Ich habe aus Angst alles gestanden“, behauptete er. Seine Verteidiger bezweifeln seitdem die Ermittlungsergebnisse. Der damalige Vernehmer aber sagte als Zeuge: „Er fing plötzlich an zu weinen und über die Tat zu reden.“ E. habe erklärt, dass er zunächst auf anwaltlichen Rat verzichten möchte. Als E. ein Foto der Handschuhe sah, habe er erklärt: „Das sind meine. Ich habe geschossen, habe die Kontrolle über mich verloren.“ Die Vernehmung seien in einer „Atmosphäre ohne Spannung“ gelaufen, sagte der Zeuge, der 15 Jahre lang bei der Mordkommission Verdächtige befragte.

Mehmet E. und K. waren den damaligen Angaben zufolge gemeinsam unterwegs, als sie in Neukölln eine Frau überfielen. E. gestand, dass er dem Opfer die Handtasche weggerissen habe. „Ich musste mal wieder diese Arbeit machen“, soll er zu Protokoll gegeben haben. Lieschied sah zwei rennende Männer. Mit einem Kollegen wollte er die Verdächtigen kontrollieren. E. aber zog laut Anklage sofort eine Pistole. „Er demonstrierte bei der Vernehmung die Schießhaltung“, sagte der Zeuge. E. habe erklärt, dass der Beamte nur eineinhalb Meter entfernt war. Der Prozess wird am 23. Januar fortgesetzt.

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