• „Er hat mich gerührt und nachdenklich gemacht“ Wie Friedrich Christian Flick und andere

Berlin : „Er hat mich gerührt und nachdenklich gemacht“ Wie Friedrich Christian Flick und andere

auf die Rede Heinz Berggruens reagierten

Sabine Beikler/Amory Burchard

Er wusste es vorher nicht, dass der Kunstsammler Heinz Berggruen am Donnerstag in seiner Dankesrede nach der Verleihung der Ehrenbürgerwürde sich vehement für seine Kunstsammlung einsetzen würde: Friedrich Christian Flick, der beim Festakt im Roten Rathaus anwesend war, sagte einen Tag später: „Er hat mich gerührt und nachdenklich gemacht.“ Mehr möchte der Industriellen-Erbe nicht zur aktuellen Diskussion über die „Flick-Collection“ sagen. Unter diesem Namen wird Flick seine umfangreiche Kunstsammlung mit rund 2000 Werken von 150 Künstlern zunächst für sieben Jahre in Berlin ausstellen. Am 21. September soll die Schau in der Rieck-Halle neben dem Hamburger Bahnhof eröffnet werden.

In seiner Rede im Roten Rathaus widersprach Berggruen in scharfer Form den Gegnern dieser Ausstellung. „Lasst uns nicht, störrisch und mit Scheuklappen zurückblickend, von Sippenhaft vergangener Untaten und von Weißwaschen von Blutgeld sprechen, sondern tolerant und aufgeschlossen in die Zukunft schauen“, sprach Berlins 114. Ehrenbürger unter großem Beifall vor 270 geladenen Gästen.

Flicks Großvater Friedrich hatte zu den größten Rüstungslieferanten des NS-Regimes gehört. Mit Blick auf die Familie Flick als Profiteur der Zwangsarbeit während des NS-Regimes hatte unlängst Salomon Korn, stellvertretender Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, gefordert, auf die Sammlung zu verzichten. Es gehe Flick „um eine Art Weißwäsche von Blutgeld in eine gesellschaftlich akzeptable Form des Kunstbesitzes“, schrieb Korn. Unterstützung erhielt Korn von Michael Fürst, Vorsitzender der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Auch Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises Mahnmal und Vize-Vorsitzende des Fördervereins Dokumentation Zwangsarbeit, verteidigt Korn. Ungeachtet der Worte Berggruens würde Rosh nach wie vor auf die Ausstellung verzichten. Flick habe sich in der Debatte „nicht klug“ verhalten. „Wir haben Flick vergeblich angeboten, bei unserer Ausstellung mitzumachen“, sagte Rosh. Der Verein plant parallel zur „Flick-Collection“ eine Ausstellung über die Flick-Familie.

Unterstützung erhält Heinz Berggruen von Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums. Auch Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors und ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, unterstützt Berggruen. „Wenn ich nicht auch so denken würde, könnte ich in Deutschland gar nicht leben.“ Es ging nicht an, die Enkel der NS-Generation noch immer haftbar für deren Verbrechen zu machen. Nachama vertritt die Auffassung, dass Flick seine Sammlung nicht mit Geld des Flickkonzerns aus der Kriegszeit zusammengetragen habe. Man solle die Sammlung so behandeln wie andere Sammlungen auch – und im Katalog zur Ausstellung die Kontroverse dokumentieren.

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