Berlin : Er leutet zur Ruhe: Hart, aber gerecht: Der Mann mit der Glocke

CD

Er ist ein strenger Zeremonienmeister in der BVV: Bei jedem Zwischenruf läutet Joachim Dannert (CDU) sofort eine Glocke, auch ein Buhruf oder Händeklatschen führt zu mahnendem Bimmeln. Humorvoll ist der 49-Jährige zwar privat, nicht aber im Sitzungssaal. Trotzdem (oder gerade deshalb) wurde der seit 1995 amtierende Wilmersdorfer BVV-Vorsteher nun mit parteiübergreifender Zustimmung an die Spitze der gemeinsamen BVV mit Charlottenburg gewählt. Selbst die zwei PDS-Vertreter nennen ihn "fair".

So manches BVV-Mitglied fragt sich allerdings, wie gut sich der 49-Jährige an die Charlottenburger gewöhnen wird - oder diese sich an ihn. SPD-Fraktionschef Marc Schulte sagt diplomatisch: "Er ist auf dem richtigen Weg." Unter Dieter Rochow (CDU) ging es im Rathaus Charlottenburg deutlich lockerer zu: "Zwischenrufe sind belebend", fand Rochow. Und so beließ er es meist bei väterlichen Worten wie "Leute, seid doch mal wieder ruhig."

Vor Rochows Augen wurden belegte Brote und ganze Salatteller verzehrt - für Dannert wäre das unvorstellbar. Nur ein Zugeständnis ließ er sich abringen: Der Getränkekonsum ist seit kurzem auch im Wilmersdorfer Sitzungssaal erlaubt, wo die gemeinsame BVV tagt.

Grenzfälle sind Snacks wie Gummibärchen. "So lange es nicht knistert, schaue ich drüber weg", sagt Dannert. Richtig sei aber, dass er "eher klingele als manche andere". Er möge eben keine Störungen. Dass die Charlottenburger undisziplinierter seien, glaubt er nicht: "Es hängt von den Leuten ab, nicht vom Bezirk." Parteifreunde erklären sich Dannerts Ordnungssinn auch damit, dass er Oberstudienrat war.

Funktelefone sind im Wilmersdorfer BVV-Saal tabu, "Bitte Handys ausschalten!" steht auf Schildern. Einmal trieb es dem Vorsteher sogar die Zornesröte ins Gesicht: Eine Reporterin hatte den Saal verlassen - und ihr zurückgelassenes Handy begann zu bimmeln.

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