Berlin : Er wollte helfen und musste sterben

Mord an dem Blumenhändler Kurt H. nach eineinhalb Jahren geklärt. Der Todesschütze wurde jetzt in Italien festgenommen

-

Eineinhalb Jahre nach der Ermordung des Lichtenberger Blumenhändlers Kurt H. hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst: Der 38jährige Bulgare Georgi B. wurde am Sonntag an der italienischen Grenze festgenommen. Georgi B. war nach dem Überfall im April 2003 abgetaucht und wurde seitdem mit internationalem Haftbefehl gesucht. Jetzt sitzt der mutmaßliche Mörder in Triest in Haft. „Die Generalstaatsanwaltschaft hat heute das Auslieferungsersuchen an die italienischen Behörden gestellt“, sagt Justizsprecher Michael Grunwald. Es ging alles sehr schnell am 7. April 2003: Die Geschäftsfrau Claudia J. war mit einem Geldkoffer gerade auf dem Weg zur Bank, als sie ein Unbekannter in der Lichtenberger Bernhard-Bästlein-Straße ansprach, eine Pistole zog und auf die Frau feuerte. Nach der Version der Staatsanwaltschaft schlug Georgi B. – von Freunden nur „Petschu“ genannt – dann mit der Pistole auf die Getroffene am Boden ein. Dabei wurde Claudia J. schwer verletzt. Der 66-jährige Kurt H. wurde vom Blumengeschäft seiner Tochter aus Zeuge des Überfalls. Entschlossen eilte er der Frau zu Hilfe. Seinen Mut bezahlte Kurt H. allerdings mit dem Leben. Der Räuber erschoss ihn kaltblütig. Anschließend sprang der Täter mit dem erbeuteten Geldkoffer – darin 45000 Euro – in ein wartendes Auto und verschwand.

Monate später hatte die Polizei die Tat praktisch aufgeklärt: Am 7. Juli 2003 nahmen die Ermittler den 35-Jährigen Halil H. in seiner Wohnung in Lichtenberg fest. Er hatte den Fluchtwagen des Trios gesteuert. Auch der Todesschütze galt als identifiziert: Georgi B. lebte wie sein Komplize seit Jahren in Deutschland, war nach dem Überfall aber untergetaucht. Der dritte mutmaßliche Täter ist bis heute auf der Flucht.

Im vergangenen März saß das Opfer, die 49-jährige Blumenhändlerin, äußerlich gefasst im Berliner Landgericht, als Halil H. der Prozess gemacht wurde. Der Bulgare beteuerte, vorher nichts von „Petschus“ Plänen gewusst zu haben. Er habe an jenem Morgen ahnungslos im Auto gewartet, weil er angeblich mit Georgi B. und einem weiteren Bulgaren in seine Heimat fahren wollte, um seine kranke Mutter zu besuchen. Nach dem Überfall habe ihm „Petschu“ angedroht: „Wenn du etwas sagst, erschieße ich dich wie einen Hund!“ Er habe erfahren, dass seine in Bulgarien lebende Familie bereits bedroht worden sei. Der Schuldspruch fiel für Halil H. glimpflich aus: Das Gericht verurteilte den 35-Jährigen zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Georgi B. muss jetzt mit einer lebenslangen Strafe rechnen. „Er steht in dringendem Verdacht des Mordes und des schweren Raubes“, sagt Grunwald. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar