Berlin : „Er würde sagen: Es war ein schönes Leben“

Tausend Berliner nahmen Abschied von Günter Pfitzmann. In der Gedächtniskirche erinnerten Weggefährten an ihn, auf dem Waldfriedhof fand er die letzte Ruhe

Bernd Matthies

Berlin hat Abschied genommen von Günter Pfitzmann. Der große Volksschauspieler wurde am Freitagnachmittag auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof in einem glänzend schwarzen, mit weißen Rosen bedeckten Sarg beigesetzt – gekleidet in einen Smoking, in der Hand sein Lieblingsbuch „Panter, Tiger & Co“ von Kurt Tucholsky; die Trauernden warfen Sand aus Sylt, seiner Lieblingsinsel, ins Grab. Zuvor hatten rund tausend Besucher an der Trauerfeier in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche teilgenommen. Zur Erinnerung stand eine Karikatur Pfitzmanns vor dem Altar, ein Bild, auf dem Ole Jensen ihn in skeptischer Haltung getroffen hatte, etwas unwirsch mit aufgeworfener Tolle.

„Er war einer von uns“ – so oder ähnlich formulierten alle Trauerredner, voran der sichtlich gerührte Klaus Wowereit, ihre Würdigung Pfitzmanns. Berlin habe nicht nur einen großartigen Schauspieler, sondern auch einen großartigen Menschen verloren, der das Bild der Stadt nach innen und außen geprägt habe. Pfitzmann sei schlagfertig und witzig gewesen, dickköpfig und schnoddrig, habe immer auf der Seite der kleinen Leute gestanden, sich sozial engagiert und nie die Bodenhaftung verloren.

Günter Struve, der ARD-Programmdirektor, steuerte eigene Erinnerungen vom Gartenzaun in Schlachtensee bei und erzählte, wie der Schauspieler sich gelegentlich mit weit tragender Stimme die Einhaltung der Mittagsruhe ausgebeten habe. Die „selten gewordene Spezies des Volksschauspielers“ zeichne sich durch Nähe und bewussten Umgang mit Distanz aus und biete „denen da oben“ die Stirn, vermittle und erkläre aber auch. Struve sagte, Pfitzmann habe all dies „mit hinreißender Sturheit“ getan, „man musste mit ihm ringen“, beispielsweise um die Figur des „Havelkaisers“, der ihm nie politisch genug gewesen sei.

Eberhard Diepgen, ein enger persönlicher Freund des Verstorbenen, erinnerte an den Menschen Günter Pfitzmann, der Familie und Freunden tief verbunden gewesen sei, sich sozial engagiert und „Verantwortung für das ganze Berlin“ getragen habe. Er sei bewusst in Berlin geblieben, sagte Diepgen, anknüpfend an eine Musikeinspielung, Pfitzmanns charakteristisch brummelnden Sprechgesang „Ick bin hierjeblieben“. Der ehemalige Regierende fügte hinzu: „Es war schön, dass es dich gab.“ Pfarrerin Sylvia von Kekulé sprach von einem, „der war, wie wir uns wünschen, zu sein, getragen vom Vertrauen in Gott, das er manchmal hinter ruppigen Sprüchen verborgen habe, im Umgang nicht immer einfach, „wenn er gar zu genau wusste, was er wollte“. Die Pfarrerin schloss ihre Predigt mit den Worten: „Er würde sagen, es war ein schönes Leben.“

In den ersten Reihe der gut gefüllten Kirche saßen neben Pfitzmanns Frau Lilo und seinen Söhnen Robert und Andreas zahlreiche prominente Weggefährten: Dieter Thomas Heck, Günter Lamprecht, Rainer Hunold – sein Nachfolger in der „Praxis Bülowbogen“ – ,Artur Brauner, Klausjürgen Wussow, Cornelia Froboess, Herbert Köfer, Rolf Zacher und viele andere.

Einer, der vermutlich gern dabei gewesen wäre, steuerte ein Lied vom Band bei. Harald Juhnke sang in einer Musikeinspielung direkt vor der Predigt: „Irgendwann geht jeder fort“.

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