Berlin : Erbarmen!

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Lorenz Maroldt über die Schrecken eines Streiks im öffentlichen Dienst

Da haben wir ja Glück gehabt: Die Wasserwerker, Straßenfeger und Busfahrer nehmen, wenn auch mürrisch, nach der Show in Potsdam nun gnädig unsere Millionen an. Gnädig, weil: Sie hätten ja auch streiken können. So aber haben wir Hoffnung, dass bis zum Frühling das Herbstlaub weggefegt und bis zum Sommer die Böllerreste aufgelesen sind – und dass unser Bus mal nicht zu spät fährt oder zu früh, sondern überhaupt.

Wie dicke es hätte kommen können, zeigt ein Blick nach Köln. Von dort kam die Nachricht, verbreitet vom „Express“, dass sogar die Kontrolleure mit Streik drohten. Das muss man sich mal vorstellen: Dann können alle umsonst fahren, das Unternehmen nimmt nichts mehr ein, das Monsterdefizit muss aus den öffentlichen Kassen, denen die Vermögenssteuermilliarden fehlen, schnell ausgeglichen werden, der Staat macht deswegen mehr Schulden, zahlt noch mehr Zinsen, führt in der Not die Nahverkehrsmittelnutzungssteuer ein, weswegen alle auf ihr Auto umsteigen, die Nahverkehrsbetriebe schließen und ihre Mitarbeiter entlassen, diese zum Sozialamt rennen, der Staat deswegen noch mehr Schulden . . . Erbarmen!

Aber halt: In Berlin ist ja noch gar nicht alles überstanden. Wenn auch die BSR und die BVG nicht mehr streiken können, weil für sie der Tarifkompromiss gilt: Die anderen, die Verwaltungsleute, sind wegen der Verbandsflucht des Senats außen vor – und drohen weiter! Die Gewerkschaftsstrategie: der blanke Terror. Berlin steht vor dem größten Politessenstreik seit Erfindung der Parkuhr.

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