Berlin : Erdgasbusse für die BVG

Verkehrsbetriebe wollen Pilotprojekt starten

Anselm Waldermann

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erwägen erstmals seit elf Jahren wieder die Anschaffung von Erdgasbussen. Entsprechende Verhandlungen mit dem Gasversorger Gasag finden bereits statt, erfuhr der Tagesspiegel aus beiden Unternehmen. „Die Chancen stehen durchaus gut“, hieß es bei der BVG. Auch bei der Gasag gibt man sich optimistisch: „Wir sind sehr hoffnungsfroh, dass sich das Projekt in nächster Zeit verwirklichen lässt“, sagte Sprecher Klaus Haschker.

Derzeit fahren die Busse der BVG ausschließlich mit Dieselmotoren. Zwar hatte das Unternehmen 1994 schon einmal Erdgasfahrzeuge getestet – der Versuch wurde jedoch nach zwei Jahren erfolglos abgebrochen. Damals hatte die BVG über zu hohe Betriebskosten geklagt. Wegen der Reichweite von lediglich 250 Kilometern mussten die Busse oft neu betankt werden, außerdem dauerte der Tankvorgang deutlich länger als bei Dieselfahrzeugen.

Doch jetzt spielen diese Probleme offenbar keine Rolle mehr. „Wir sind zu Erdgasbussen offen eingestellt“, hieß es bei der BVG. Der Grund: Seit den 90er Jahren hat sich technisch einiges getan. Mittlerweile rollen die Busse pro Tankfüllung 450 Kilometer weit; außerdem arbeiten moderne Tankstellen mit Hochdruck, so dass die Betankung rascher erfolgen kann. Auch aus Umweltgründen spricht vieles für Erdgas: Im Gegensatz zu Dieselmotoren entsteht bei der Verbrennung fast kein gesundheitsschädlicher Feinstaub. Zudem sind die neuen Erdgasfahrzeuge nur halb so laut wie herkömmliche Stadtbusse.

Zunächst wollen BVG und Gasag nun ein neues Pilotprojekt mit fünf bis zehn Bussen starten. Allerdings knüpft die BVG ihre Zustimmung an Bedingungen. „Es muss sicher sein, dass die Erdgasbusse für uns kostenneutral sind“, verlangen die Verkehrsbetriebe. Ärger wie beim ersten Mal müsse vermieden werden. So könne man sich vorstellen, dass ein Konsortium aus Gasag und anderen Erdgasbefürwortern sämtliche Mehrkosten des Pilotprojekts übernimmt. Für die BVG dürften keine anderen Kosten entstehen als beim reinen Dieselbetrieb.

Laut Gasag soll das kein Hinderungsgrund sein. „Wir stellen der BVG auf ihrem Bushof kostenlos eine Erdgastankstelle bereit“, sagte Sprecher Haschker. Sollten die Verkehrsbetriebe später weitere Busse anschaffen, könnte die Tankstelle schnell aufgerüstet werden.

Berlin ist eine der wenigen Städte, deren Verkehrsbetriebe keine eigenen Erdgasbusse besitzen. Bisher fährt hier nur die Firma Haru mit Bussen auf Erdgasbasis. Seit Juni dieses Jahres betreibt sie als Subunternehmen der BVG die Linie M32 in Spandau. Frankfurt (Oder) hingegen hat seine gesamte Busflotte auf Erdgas umgestellt.

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