Berlin : Erdmännchen auf der Wunschliste

Der Zoo vermittelt Tier-Patenschaften. Auch der Gorilla Ivo hat einen Gönner

Ariane Bemmer

Die fleißigste Patin ist eine Schülerin. Sie kann sich nur die kleinen Tiere leisten, Hamster oder afrikanische Zwergschläfer. Alles Geld, das sie bekommt – zu Geburtstagen, Weihnachten oder vielleicht für gute Zensuren –, sammelt sie dafür. Fast jeden Tag kommt sie in den Zoo und guckt nach ihren Patenkindern. Und wenn sie eine bestimmte Summe zusammen hat, dann übernimmt sie eine neue Patenschaft. Bisher hat sie fünf.

Heiner Klös, Kurator für Säugetiere im Berliner Zoo, erzählt gern von dem Mädchen. Weil in deren Geschichte viel von dem drin ist, was er mit seiner Patenschaftsidee erreichen will: die persönliche Bindung der Berliner an ihre Zootiere. Und der Wunsch, an immer mehr Tiere diese Bindung zu haben. Das einzige, was bei dem Engagement des Mädchen fehlt, ist die spürbare finanzielle Entlastung für den Zoo.

Und um die geht es eigentlich. Klös rechnet vor: 2900 Tiere leben im Zoo. Die fressen für 1,2 Millionen Euro im Jahr. Gut zehn Prozent der Tiere haben Paten. Das bringt 160000 Euro im Jahr ein. Besser als nichts, aber noch mehr wäre noch besser. Zehn Jahre ist es jetzt her, dass es die ersten Patenschaften gab, zaghafte Vorläufer der jetzigen groß angelegten Aktion. Früher, sagt Klös, seien die Berliner häufig mit Tieren zum Zoo gekommen, die sie verschenken wollten. Doch irgendwann war der Zoo voll und man sagte zu den Spendern: Zahlt lieber das Futter! So ging es los. 1999 wurden dann die ersten Schilder im Zoo aufgestellt: „Wollen Sie mehr wissen über die Patenschaften?“ Die Berliner wollten.

Die Patenschaft gilt ein Jahr und kostet je nach Tierart unterschiedlich. Für Kinder gibt es Kinderpatenschaften, die mit Taschengeld erschwinglich sind. Die Paten werden einmal zu einem Ortstermin in den Zoo geladen, bei dem sie ihr Tier auf ganz besondere Art kennen lernen können. Vielleicht sogar anfassen – wenn das nicht gefährlich ist. Außerdem wird man im Sommer zur großen Paten-VIP-Party eingeladen.

Im Zoo haben sie eine Art Preisliste für ihre Tiere:

Erdmännchen: 150 Euro

Nasenbären: 250 Euro

Eisbär: 2500 Euro

Menschenaffen: 5000 bis 10000 Euro

Wieselmeerschweinchen: 50 Euro

Hamster: 20 Euro.

Aber Klös sagt, es gebe Verhandlungsspielraum. Die Erdmännchen stehen ganz oben auf der Wunschliste der Paten. Sie sind günstig, klein und putzig, wie sie da in der Sonne vor ihrem Bau hocken. Auch die Nasenbären sind alle verpachtet, meldet Klös. Außerdem beliebt seien Pinguine und kleine Raubkatzen. Das schwierigste Patenkind ist der Pandabär. Eine fünfstellige Summe soll er kosten. Genauer will man es im Zoo nicht sagen. Der neue Gorilla Ivo dagegen, der ist schon verpachtet. An eine Firma. An welche, will der Zoo demnächst verraten.

Die Preise für Patenschaften orientieren sich an den Kosten für die Nahrung, sagt Klös, wobei man Ausnahmen machen müsse. Eine Eule beispielsweise fresse am Tag drei Mäuse, jede Maus kostet einen Euro, aufs Jahr sind das knapp 1000 Euro. Klös: „Das ist natürlich nicht vermittelbar.“ Für Eulen gibt es also Sonderpreise. Für Papageien auch.

Seit neuestem kann man auch Monatspatenschaften übernehmen. Das kommt besonders gut als Geschenk an. Klös weiß von einer Hochzeit, bei der als Brautpreis zwar nicht mit Kamelen dafür aber mit Monatspatenschaften für Kamelfutter gezahlt wurde. Solche Scherze würde man schon auch mitmachen, sagt der Kurator. Aber noch lieber sind ihm Paten wie das tierliebe Mädchen. Das sei auch richtig berlinerisch. Dieser enge Kontakt zum Zoo.

Informationen über Zoopatenschaften gibt es im Internet unter der Adresse: http://www.zoo-berlin.de/mitmachen/tierpate-werden/paten-gesucht.html oder am Telefon unter 25 40 1-0

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