Berlin : Erfolg mit dem Hausmeister-Modell CDU wählt Ingo Schmitt zum neuen Vorsitzenden

Werner van Bebber

Den lautesten Beifall bekam Angela Merkel. Die designierte CDU-Kanzlerkandidatin erschien zwar nicht persönlich beim Landesparteitag der Berliner CDU. Doch als Ingo Schmitt in seiner Bewerbungsrede versprach, Angela Merkel zu unterstützen, da jubelten die Delegierten.

Kein Zweifel, die Berliner CDU hat Oberwasser. Sie hat mit Ingo Schmitt seit diesem Sonnabend auch einen neuen Vorsitzenden. Die gute Stimmung war aber wohl schon vorher da. Seit Tagen trägt eine neue Zuversicht die Union. Schmitts Wahl verlief konfliktfrei – der Mann passt zur Situation der Berliner Partei, und er passt zur Aufgabe, die sie nun hat. Der Europa-Abgeordnete und Kreischef von Charlottenburg-Wilmersdorf will die Partei vom Streiten abhalten – dafür ist er gewiss energisch und radikal genug. Und er will zum Jahresende einen Spitzenkandidaten gefunden haben, der es mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit aufnehmen kann. Beides trauten ihm 83 Prozent der 313 Delegieren zu – ein Ergebnis, auf das Schmitt einigermaßen stolz sein kann.

Vielleicht hat die Bereitschaft der Partei, sich von Ingo Schmitt führen zu lassen, mit dem vertrauten Sound der 80er und 90er Jahre zu tun, den Schmitt auf dem Parteitag erzeugt hat. Der Mann, der seit 1974 der CDU angehört und Staatssekretär unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen war, ist kein politischer Philosoph und will es auch nicht sein. Er kam den Delegierten mit Begriffen und Parolen aus einer besseren Zeit. Die Berliner CDU versteht sich als Partei der kleinen Leute – entsprechend groß war die Zustimmung, als Schmitt die SPD weit links überholte. Die CDU dürfe „nicht nur Politik für die Starken“ machen, „soziale Sicherheit“ sei genau so wichtig. Schmitt will, dass es weiterhin einen nennenswerten Bestand landeseigener Wohnung gibt und warnt, der Senat werde 5000 Arbeitsplätze vernichten: hunderte bei der S-Bahn, einige tausend bei Charité und BVG, und dort sollten die Angestellten weniger Geld bekommen, die Vorstände aber kassierten ab.

Ingo Schmitt ist der vierte Landeschef, der es innerhalb von vier Jahren mit der CDU versucht. Da waren die Delegierten wahrscheinlich froh, dass ihnen einer mal vertraut und sehr berlinisch vorkommt. „Etwas abschätzig“, sagte Schmitt, sei er im Tagesspiegel als Mann für das „Hausmeister-Modell“ dargestellt worden, nach dem Bildungsbürger Christoph Stölzl und dem aus dem Osten kommenden Behelfsvorsitzenden Joachim Zeller. Aber, konterte Schmitt und bekam dafür kräftigen Beifall: „Da, wo es Hausmeister gibt, ist die Welt meist noch in Ordnung“.

Nicht persönlich, aber politisch ist Schmitt der neue Hoffnungsträger. Kein Wunder, dass ihm die Delegierten die merkwürdige Performance bei der Einführung des Hertha-Torwarts Christian Fiedler verziehen. Schmitt hatte ihn als Stellvertreter angekündigt, doch offenbar wusste Fiedler nicht, was von ihm erwartet wurde. Jedenfalls blieb am Ende ein „Beisitzer“ übrig, der eines der besten Wahlergebnisse bekam.

Schmitt hat – wie auch sein Generalsekretär Frank Henkel – diesen energischen, leicht rabiaten Zug in Redestil und Auftritt, der besagt: Wer zu weit ausschert, wer lieber öffentlich streitet, der wird zur Ordnung gerufen. 301 von 311 Stimmen bekam Henkel, nachdem er angesprochen hatte, was den Delegierten wichtig ist – kleine Leute, soziale Gerechtigkeit, innere Sicherheit, Werte. So groß ist die Sehnsucht der Berliner CDU nach gut geordneter Geschlossenheit. Das „in dieser CDU“ scherzte der Gast Volker Kauder, Merkels General. Die Delegierten nahmen die ironisch-spitze Bemerkung über die bislang vor allem durch ihre Streitsucht und Bockigkeit bekannte Berliner CDU mit Gelächter. Sie haben jetzt kollektiv ein gutes Gefühl.

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