Berlin : Erfolgreich – und vor der Pleite

Die Krise der Konsumgenossenschaft führt im Dorint-Hotel am Müggelsee zum Chaos

Volker Eckert

Eigentlich ist das Dorint-Hotel am Müggelsee ein erfolgreich arbeitendes Haus. Über 100 Mitarbeiter, die Bettenauslastung ist gut, regelmäßig finden große Tagungen und Kongresse statt. Trotzdem fürchten die Mitarbeiter das Aus. Das Dorint gehört zur Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, und die steckt gerade ganz tief in der Krise. „Wir bitten unsere Gäste, in bar zu zahlen, damit wir unsere Rechnungen begleichen können“, klagt eine Sprecherin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Die Konsum-Zentrale in Lichtenberg habe den Geldhahn zugedreht. Nach Protesten würden Einzelposten wieder von dort beglichen. Um die Lieferanten zu bezahlen, sei das Hotel aber nach wie vor auf die laufenden Einnahmen angewiesen, Bestellungen würden nur noch in kleinen Mengen aufgegeben. Lieferanten seien abgesprungen, der Koch habe auch schon mal selbst einkaufen fahren müssen. In Lichtenberg wird das bestritten. Die Idee mit den Barzahlungen an die Zulieferer hätte den Sinn gehabt, denen die Sorge zu nehmen, sie bekämen ihr Geld nicht mehr. Jetzt, da überall zu lesen sei, die Genossenschaft stehe vor der Insolvenz. Bis Juni seien alle Rechnungen bezahlt.

Das macht die Situation des Hauses nicht viel besser. 20 Millionen Euro Schulden lasten laut der Hotel-Sprecherin auf der Dorint GmbH, zu der das Hotel und das nahe gelegene Ausflugslokal Rübezahl gehören. Dazu kämen 200000 Euro an Außenständen. In der Lichtenberger Konsum-Zentrale werden diese Zahlen bestritten. Dann die monatliche Pacht, die die Dorint-Kette dafür verlangt, dass sie ihren Namen hergibt: 120000 Euro. Diese Zahlen hat man am Müggelsee offenbar erst erfahren, als der inzwischen abgesetzte Alexander Lottis an die Spitze der Genossenschaft gerückt war. „Bis dahin wussten wir nicht, wo wir stehen.“

Am Dorint-Hotel wird auch offenbar, wie der Machtkampf zwischen Alexander Lottis und Hannelore Winter, zwischen neuen und alten Kräften, an dem Haus zehrt. Viele Dorint-Mitarbeiter haben bis zuletzt auf eine Rückkehr des jungen Lottis gehofft. Der hatte dem Unternehmen kurz nach seinem Amtsantritt bescheinigt, die katastrophale Finanzlage systematisch vertuscht zu haben und kündigte an, für eine Sanierung die Einlagen der 190000 Kleinanleger heranzuziehen. Das kostete ihn den Posten. Dorint-Mitarbeiter, die sich für Lottis stark gemacht hatten, wurden vom Vorstand bedroht, behauptet die Sprecherin.

Die Vertreter wählten die vom Aufsichtsrat beurlaubte Hannelore Winter zurück ins Amt. Laut ihrem Sprecher wird nicht mehr ausgeschlossen, das Haus zu veräußern. Viele Mitarbeiter wissen nicht, ob sie darauf hoffen sollen oder nicht. Da steht die Hoffnung auf ein besseres Management gegen die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Die von der Konsum-Zentrale installierte Führungsriege des Hotels hat sich aus dem aufmüpfigen Haus zurückgezogen. Direktor Maik Weiss hat sein Büro im Hotel nicht bezogen, sondern versieht seine Geschäfte von Lichtenberg aus. Geschäftsführer Branko Kosir, auch seit wenigen Wochen im Amt, bezeichnet sich selbst als Interimslösung und gibt freimütig zu, dass er von der Hotelbranche keine Ahnung hat.

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