Berlin : Erfolgreicher Eltern-Protest: BVG erprobt neue Schülerkarte

Bisher mussten Kinder und Jugendliche immer drei Dokumente vorweisen. Fehlte eines, waren sie für die Kontrolleure einfach Schwarzfahrer

Jörn Hasselmann

Die BVG will den Berliner Schülern das Leben in Bussen und Bahnen leichter machen. Die komplizierten Beförderungsbedingungen werden entrümpelt – probeweise. Derzeit muss jeder Schüler drei Dokumente – Schülerausweis, BVG-Trägerkarte und Wertmarke – dabei haben. Wenn nur eines fehlt, gilt man als Schwarzfahrer. Immer wieder hatten Eltern empört reagiert, wenn ihre Kinder von Kontrolleuren „erwischt“ und zur Kasse gebeten wurden. Zahlreiche Beschwerden gingen bei der BVG ein, wiederholt wurde dabei die Kompromisslosigkeit der Kontrolleure beklagt. Generell gab es Klagen, dass die privatisierten Kontrolleure in den letzten Jahren immer weniger Kulanz gezeigt hätten – auch bei Kindern.

Im kommenden Monat startet das Unternehmen nun einen einjährigen Versuch mit einer modernen Plastikkarte, auf die die Wertmarke nur noch aufgeklebt werden muss und die die drei bisherigen Ausweise ersetzen soll. 5900 Schüler von neun Schulen verschiedener Typen erhalten fürs nächste Schuljahr diesen neuen Schülerausweis, beteiligt sind unter anderem das Gymnasium zum Grauen Kloster in Wilmersdorf, das Französische Gymnasium in Tiergarten, das Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium in Lichtenberg und die Gustave-Eiffel-Hauptschule in Pankow. Die BVG ist zuversichtlich, dass nach dem Probejahr die Plastikkarte berlinweit eingeführt werden kann.

Wie BVG-Sprecher Klaus Wazlak sagte, seien künftig noch mehr Funktionen für diese Plastikkarte denkbar – zum Beispiel als Bibliotheksausweis oder Telefonkarte. Die neu ausgegebene Karte hat keinen elektronischen Chip. Zunächst hatte die BVG beabsichtigt, mit einer Chip-Schülerkarte auch das geplante „elektronische Ticket“ für alle Fahrgäste zu testen. Das wurde verschoben, da zu wenig elektronische Lesegeräte vorhanden sind – das Problem Schülertickets jedoch drängte sehr.

„Die alte Regelung war für Schüler viel zu kompliziert“, sagte BVG-Sprecher Wazlak, „da es gab Handlungsbedarf.“ Wie viele Schüler als „Schwarzfahrer“ erwischt wurden, konnte Wazlak nicht sagen, nur so viel: „Zu viele.“

Seit langem war der BVG bekannt, dass die meisten der „erwischten“ Schüler keine echten Schwarzfahrer waren, sondern lediglich eines der drei Dokumente vergessen hatten. Vor allem zu Beginn eines neuen Schuljahres hatte es in den vergangenen Jahren massenhaft Kinder getroffen, die als Anfänger die komplizierten Regeln noch nicht kannten oder die bislang zu Fuß unterwegs waren. Wer erwischt wurde, musste in der BVG-Zentrale innerhalb einer Woche das fehlende Dokument vorlegen, um dann mit einer „Bearbeitungsgebühr“ von sieben Euro dem üblichen Schwarzfahrertarif von 40 Euro zu entkommen. Anstellen mussten sich die Kinder am gleichen Schalter wie echte Schwarzfahrer, die dort ihre 40 Euro Buße zu begleichen hatten.

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