Berlin : Erfolgreiches Myfest: Kiez atmet auf

-

Am Morgen danach erinnert nur noch das riesige Revolutionstransparent, das quer über die Oranienstraße gespannt ist, an den 1. Mai. Wo am Montag noch tausende Besucher des Myfests in Kreuzberg über Pappbecher, Bierdosen und Flaschen hinwegstapften, sind die Straßen wieder gefegt. Die Geschäftsleute sind froh, der 1. Mai ist geschafft. Die Menschen haben sich auf dem Kiezfest vergnügt, die Randale am späten Abend hielt sich in Grenzen.

So sieht es auch Hasan Kara, der in der Mariannenstraße einen Schlüsseldienst betreibt. Er hatte, wie der Großteil der anderen Gewerbetreibenden im Kiez, beim Myfest mitgemacht und Grillwürstchen und Bier verkauft. „Es flogen kaum Steine und Flaschen. Nur ein paar betrunkene Jugendliche hatten sich später nicht mehr unter Kontrolle“, erklärt Kara. Alles in allem bewähre sich das Konzept des Myfests, um die Gewalt in Kreuzberg zu unterbinden. „Auch die Polizei hat sich gut verhalten: Sie waren präsent, ohne präsent zu wirken.“

Hermann Rausch von der Mariannen-Apotheke ist wie jedes Jahr am 2. Mai früher als sonst zur Arbeit erschienen, um zu schauen, ob irgendwas kaputtgegangen ist. Sicherheitshalber hatte Rausch die Fenster seiner Apotheke mit Sperrholz verbarrikadiert. Die Uhr vorm Eingang wurde sogar in einer Art Spezialanfertigung aus Holz und Schaumstoff eingepackt. „So eine Uhr kostet rund 2000 Euro. Vor einigen Jahren bei den Krawallen ist die schon einmal kaputtgegangen. Die Versicherung zahlt nur einen Teil“, sagt der Apotheker. Dieses Mal ist alles heil geblieben.

Gebrannt hatte es am späten Abend in der Oranienstraße, kurz vorm Heinrichplatz. Hier flogen auch die ersten Steine und Flaschen auf die Polizeibeamten. Zwei Scheiben des Cafés „Bateau Ivre“ an der Ecke Oranienstraße und Heinrichplatz sind zerborsten. Doch Thierry, der französische Mitarbeiter, lächelt: „Die sind schon seit acht Jahren kaputt. Wir haben sie aus Kostengründen noch nicht ausgewechselt.“ tabu

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben