Erfrischung im Grünen : Das sind Berlins schönste Biergärten

Wenn die Temperaturen wieder steigen, treibt es die Berliner ins Freie. Klönen unter Bäumen, im Krug ein kühles Helles: Am besten geht das im Biergarten. Elf Würdigungen unserer Redakteure.

Ob nach einem Spaziergang oder einer Radtour, Biergärten bringen an warmen Tagen eine spritzige Abkühlung.
Ob nach einem Spaziergang oder einer Radtour, Biergärten bringen an warmen Tagen eine spritzige Abkühlung.Foto: Mike Wolff

Hausbrauerei Eschenbräu

Er liegt versteckt, wie alle Dinge, die etwas wert sind. Eingerahmt von grauen Neubauten, unter einer einzigen großen Eiche, deren Blätter an lauen Abenden leise rauschen. Der Kies knirscht unter den Schritten der Kellner, das Bier ist trüb und groß und kühl, und wer denkt, dass das selbstverständlich ist, kennt die Biergärten der Stadt schlecht. Wenn du zum ersten Mal hierher findest, über den kleinen Fußweg, unterm Wohnheim durch, fragst du dich, warum du nicht vorher mal hier warst. Die Antwort gibt’s gratis, ohne Gewese: Ein grundsolider Biergarten ist das, mit grundsoliden Preisen, grundsolidem Bier aus eigener Herstellung (im Keller nebenan), ohne Schnick und ohne Schnack, also so gar nicht „Berliiiiin!“, es gibt auch gute Flammkuchen und Brezeln, und wenn dir das nicht gefällt, bringst du dir dein Picknick eben selbst mit, auch kein Problem. Da sind sie nicht so, die Weddinger. Johannes Ehrmann

Triftstraße 67, Wedding

Alte Fischerhütte

„Arbeit ist wunderschön, ich könnte stundenlang zuschauen.“ – Jaja, der ist nicht ganz frisch, aber es gibt eine Open-Air-Variante, wie ersonnen für den Aufenthalt im Biergarten der Alten Fischerhütte am Zehlendorfer Schlachtensee: „Laufen ist so gesund, ich könnte ...“ usw. Doch, Bier und Wein schmecken noch mal so gut, wenn man selbst in der Sonne sitzt und zum Greifen nah die Jogger mit hängender Zunge vorbeihecheln. Und erst die Schwäne, die heransegeln, die Enten, die dahergepaddelt kommen, voller Zuversicht, einen Brocken Brot zu ergattern. Dazu am gegenüberliegenden Ufer die Wassernixen und -götter, ab und zu Langstreckenschwimmer in Neopren, die sich zu Wasser lassen, um den See zu durchmessen. Es gibt immer was zu gucken, und wenn es zu warm wird, kann man sich gemächlich unter schattige Bäume zurückziehen. Man muss es ja nicht gleich zum Äußersten kommen lassen und selbst ins Wasser steigen. Jetzt sowieso noch nicht. Andreas Conrad

Fischerhüttenstraße 136, Zehlendorf

Der Prater

Natürlich ist er zu voll. Natürlich ist er zu laut. Natürlich muss er eben deshalb viel zu früh schließen. Und natürlich gibt es hier im pochenden Herzen von Prenzlauer Berg viel zu viele Touristen für dieses rauschig-lauschige Plätzchen unter hohen Bäumen. Aber, was soll’s, die Berliner kommen auch, sogar die alten Prenzlberger, um zusammenzusitzen, die Kinder zum Toben zu schicken und sich alte und neue Ost-Witze zu erzählen – mitten im Strom und doch außerhalb der Zeit. Es ist vielleicht der Ur-Biergarten Berlins, zumindest des alten Ostens der neuen Stadt. Und deshalb ist er immer noch so urig. Urst urig. Robert Ide

Kastanienallee 7–9, Prenzlauer Berg

Hufeisen

Im Lübarser Hufeisen wird aus einem schnellen Imbiss fix ein ganzer Nachmittag. Die Gartenterrasse ist Anzugspunkt für Sonnenhungrige, Spaziergänger und die Lübarser selbst. Zufrieden nippt der Gast an seinem Bier und ist vom malerischen Ausblick auf das Tegeler Fließ gefangen. Im Sommer wechseln sich sattgrüne Wiesen mit goldfarbenen Getreidefeldern ab. So weit ist es noch nicht, aber die Hausmannskost schmeckt auch im frühen Frühling. Huch, ich glaub, ich seh ein Pferd! Außerhalb der Stadtgrenze erwartbar, aber elf Busminuten vom S-Bahnhof Waidmannlust entfernt, staunen Ausflügler nicht schlecht, wie viel Land in der Großstadt steckt. Jennifer Hinz

Zabel-Krüger-Damm 227, Lübars

Frühlingsbilder aus Berlin
Turtelnde Tauben im blühenden Kirschbaum. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Berliner Frühlingseindrücke an leserbilder@tagesspiegel.de.Weitere Bilder anzeigen
1 von 148Foto: Denise Schellack
07.05.2015 10:10Turtelnde Tauben im blühenden Kirschbaum. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Berliner Frühlingseindrücke an...

Gutshof Britz

Hier sitzt es sich wie auf dem Dorfe, dabei ist man ab Mehringdamm in 15 Minuten mit der U-Bahn da: im Garten auf dem Gutshof in Britz. Unter mächtigen Kastanien lässt sich gediegen ein kühles Blondes zischen; das Essen ist bodenständig mit elegantem Einschlag. Manchmal weht einem sogar eine Prise Landluft um die Nase, weil auf dem Gutshof auch Kühe, Ziegen und Pferde sowie Hühner leben, manchmal dringt Musik ans Ohr – die Musikschule und ein Konzertsaal befinden sich ebenfalls auf dem Gelände. Auch schön sitzt man auf der Terrasse des benachbarten Britzer Schlosses. Das Schlossrestaurant und -hotel betreiben Estrel-Azubis in Eigenregie. Alles in allem ergibt sich ein Biergarten-Erlebnis, wie man es sonst nicht findet und das sich bestens eignet für einen Ausflug ohne lange Reise. Fatina Keilani

Alt-Britz 81, Neukölln

Maria und Josef

So zünftig ist es in Lichterfelde-West. Zur Maß Bier gibt’s hier a gscheits Brotzeitbrettl mit allerlei Deftigkeiten und einem Enzian oder Rahmschwammerln mit Brezelknödeln. Schon recht, das klingt nicht wirklich nach guter alter Berliner Küche. Aber sehnen wir uns nicht manchmal heimlich nach Bayern? Und sei es nur für einen launigen Abend unter Freunden. Wenn es richtig schön draußen ist, wird’s allerdings schwer mit einem Platz auf der überschaubaren Terrasse. „Maria & Josef“ unterhält keinen dieser riesigen Biergärten mit Massenbetrieb. Hier ist’s eher gemütlich. Nur die S-Bahn, die regelmäßig vorbeirauscht, stört etwas. Ist aber spätestens nach der dritten Maß auch nicht mehr schlimm. Katrin Schulze

Hans-Sachs-Str. 5, Lichterfelde-West

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