Berlin : Erhard Krack: Ein Mann zwischen Zweifeln und Zwängen

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Es war ein Abschied, aber auch ein Wiedersehen. Fast 100 Menschen drängten sich am Donnerstag in der kleinen Kapelle des Städtischen Friedhofs Pankow, um dem langjährigen Oberbürgermeister von Ost-Berlin, Erhard Krack, die letzte Ehre zu erweisen. Krack war am 11. Dezember an den Folgen eines Herzinfarkts im Virchow-Krankenhaus gestorben, kurz vor seinem 70. Geburtstag. Viele Weggefährten aus SED-Zeiten gaben ihm nun das Geleit.

Auch die früheren Stadträte von Ost-Berlin, die mit Krack zusammen im Magistrat der DDR-Hauptstadt gearbeitet hatten, waren gekommen. Einer von ihnen, Christian Hartenhauer, hielt die Trauerrede. Darin zeichnete er noch einmal den Lebensweg von Krack nach: vom sozialdemokratisch geprägten Elternhaus in Danzig über seine Arbeit in der Rostocker Warnow-Werft bis hin zur SED-Karriere, die ihm 1974 das Amt des Oberbürgermeisters einbrachte. Zweifel an der Parteipolitik habe Krack durchaus gehabt, sagte Hartenhauer, aber er sei nicht frei gewesen von "objektiven Zwängen".

Im Zuge des Umbruchs 1989/90 musste Krack zurücktreten, für seine Mitverantwortung für die gefälschten DDR-Kommunalwahlen Anfang 1989 wurde er verurteilt. "Das war ein harter Schlag für ihn", erzählte Walter Momper, damals Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Er war fast der einzige noch aktive Politiker, der sich in den Trauermarsch einreihte. 1989 hatten Momper und Krack gemeinsam Geschichte geschrieben, bei der Öffnung von Berliner Grenzübergängen. An den Friedhof, auf dem Krack liegt, grenzte früher die Mauer.

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