Berlin : "Erholungsmüll": Aktion sauberer Wald: Alle Papierkörbe weg

Ingo Bach

Mit einer ungewöhnlichen Maßnahme versuchen die Berliner Forstämter, dem Müllproblem in den Wäldern zu Leibe zu rücken. Statt mehr Abfallbehälter bereitzustellen, tun die Forstämter das genaue Gegenteil: Sie montieren die Mülleimer in den Erholungsgebieten ab. Während eines mehrjährigen Pilotprojektes im Grunewald haben die Förster die Erfahrung gemacht, dass weniger Papierkörbe auch weniger Gesamtmüll bedeuten. Nun folgen auch die anderen Forstämter dem Grunewalder Vorbild.

Im letzten Jahr entsorgten die Forstämter 2200 Kubikmeter "Erholungsmüll", also den Individualabfall der Waldliebhaber. Colabüchsen, Zigarettenschachteln oder Eisverpackungen zwischen den Bäumen sehen nicht nur unschön aus, sie kosten auch Geld. Denn die Forstämter müssen für die Entsorgung des Mülls selbst zahlen. "Wir mussten teure Entsorgungsaufträge mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) und privaten Firmen abschließen", sagt der Pressesprecher der Forstämter, Marc Franusch. Zwischen einer und 1,5 Millionen Mark müssen die Forsten dafür im Jahr ausgeben. Außerdem setzen die Förster ihre Waldarbeiter, die eigentlich anderes zu tun hätten, zum Einsammeln des Mülls ein.

Jetzt hoffen die Berliner Forsten auf die Devise: Weniger Behälter bedeuten weniger Müll. In einem Pilotprojekt demontierte das Forstamt Grunewald 1995 mit einem Mal 80 Prozent der Mülleimer. "Zunächst herrschte große Verwirrung unter den Besuchern und wir mussten mehr Arbeit aufwenden, um die Müllberge an den Plätzen abzutransportieren, wo vorher ein Abfalleimer stand", sagt Franusch. Doch drei Jahre später fiel weniger als die Hälfte des Gesamtmülls von 1995 an. Einspareffekt: 150 000 Mark. Franusch erklärt sich diese Entwicklung mit dem durchaus vorhandenen Umweltbewusstsein der Berliner: "Wenn die Leute wissen, dass sie im Wald keine Abfalleimer vorfinden, kommen sie schon mit weniger potenziellem Müll oder aber nehmen ihn notgedrungen wieder mit nach Hause."

Nun ziehen auch die anderen Forstämter nach. Hatte man 1992 noch 824 Abfallbehälter im Wald, so sind es jetzt noch 294. Und es werden noch weniger, kündigt der Leiter der Berliner Forsten, Elmar Lakenberg, an. "Natürlich gibt es Stellen, wo das Konzept nicht aufgeht", sagt Lakenberg. Am Teufelssee zum Beispiel oder an der Hundebadestelle am Grunewaldsee. "Da schmeißen die Leute weiter ihren Müll in den Wald, so dass wir damit begonnen haben, die Abfalleimer wieder anzubringen." Insgesamt aber ist Lakenberg zufrieden.

Die positiven Erfahrungen überzeugen die BSR jedoch nicht. "Wir setzen darauf, dass überall im Stadtgebiet ein Mülleimer in der Nähe ist", sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. Rund 20 000 der orangefarbenen Müllschlucker gibt es in der Stadt. Ein Abbau kommt für die BSR nicht in Frage.

Auch bei den Grünflächenämtern, die für die Müllentsorgung in den innerstädtischen Parkanlagen zuständig sind, will man auf Papierkörbe und Container nicht verzichten. "Seit einiger Zeit bemerken wir zwar, dass mehr Müll in den Parks zurückgelassen wird", sagt der Leiter des Natur- und Grünflächenamtes Friedrichshain, Adalbert-Maria Klees. Trotzdem: "Die Parks haben einen Freizeitwert, wir bieten also eine Dienstleistung an - und da gehört die Müllentsorgung nun mal dazu."

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben