Berlin : Erichs Werkstatt

Susanne Vieth-Entus

spürt einem der letzten Honecker-Porträts nach Erich im Sonntagsanzug. Himmelblauer Hintergrund. Hornbrille. Bis 1989 kam keine Amtsstube und keine Schule der DDR ohne dieses Foto des Staatschefs aus. Aber wo, um Himmels willen, sind diese Millionen von gerahmten Honecker-Fotos hingekommen? Wurde einfach ein Rau, ein Herzog oder ein Köhler davorgeschoben, um für alle Fälle den Honecker in Reserve zu haben? Kam er als Souvenir auf den Dachboden oder wurde sein Bild zerrissen?

Nein, es gibt ihn noch – zumindest in einer öffentlichen Einrichtung Berlins: Entsetzte (West-)Eltern entdeckten das Foto in einem Raum der Hohenschönhausener Matibi-Grundschule. Das Porträt hing nicht im Büro des Schulleiters (der hat davon nichts gewusst), sondern in der Werkstatt des Hausmeisters. Der Volksbildungsstadtrat prüft „dienstrechtliche Schritte“. Das will was heißen: Denn der Stadtrat ist von der PDS gestellt. Erschwert werden dürften die Ermittlungen dadurch, dass die Matibi-Schule in einem Neubau untergebracht ist. Das Honecker-Bild ist also nicht vergessen, sondern aus dem alten Schulhaus bewusst in die neue Zeit getragen worden. Das ist vorsätzlicher DDR-Personen-Kult.

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