Berlin : Erinnerung an Nazi-Opfer

Ab Januar Denkmal für 200 000 Behinderte, die in der „T4-Aktion“ getötet wurden

Die Opfer der „T4-Aktion“ der Nationalsozialisten sollen ein würdiges Mahnmahl erhalten. Darüber sind sich die Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus einig. Ab dem 18. Januar 2008 soll ein temporäres Denkmal des Künstlers Horst Hoheisel vor der Philharmonie aufgestellt werden. An selber Stelle, in der Tiergartenstraße 4, war die Zentrale, von der aus die Euthanasie-Aktionen der Nazis gesteuert wurden. Das „Denkmal der grauen Busse“ ist den Todestransporten nachempfunden, bei denen ab 1940 fast 200 000 behinderte Menschen getötet worden waren. Ab September des kommenden Jahres soll dann an die Stelle des Denkmals dauerhaft eine Dokumentationsstele treten. „Das war ein einzigartiges Mordprogramm, das viel zu wenig bewusst ist“, sagte gestern Andreas Nachama, der geschäftsführender Direktor der Stiftung „Topographie des Terrors“ und Vorsitzender eines runden Tisches zur T4-Aktion, vor dem Kulturausschuss.

Ebenfalls 2008 soll nach Plänen des Senats ein Wettbewerb beginnen, aus dem ein dauerhaftes Mahnmal hervorgehen soll. Kulturstaatssekretär André Schmitz versprach einen Bericht für Mai 2008. Einen ähnlichen Antrag der CDU, der ein Konzept für ein Mahnmal fordert, lehnte die SPD-Fraktion ab, weil der Senat ohnehin daran arbeite. Kritik gab es auch von anderer Seite. „Der Ansatz eines zentralen Mahnmals greift zu kurz“, kritisierte Wolfgang Brauer (Linke). Dem schloss sich der Grünen-Kulturexperte Oliver Schruoffeneger an, der forderte, andere Orte einzubinden. So gibt es etwa das Humboldt-Krankenhaus am Wiesengrund, wo die Ausstellung „Totgeschwiegen“ neu erstellt werden soll. mj

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben