Berlin : Erinnerungen an den Havelkaiser

Lilo Pfitzmann schrieb die Lebensgeschichte ihres Mannes auf

Maxi Leinkauf

Jetzt, wo das Buch über sein Leben geschrieben ist, hat Lilo Pfitzmann ihren Frieden mit dem Tod ihres Mannes gemacht. „Nur der Augenblick zählt“ heißt die Biografie über Günter Pfitzmann, die am 31. März erscheint.

Die 61-Jährige hat die wenigen Notizen, die Pfitzmann vor seinem Tod angefangen hat zu schreiben, gesichtet und sortiert. „Ich habe angefangen, ohne etwas vor Augen zu haben“, sagt sie. Zu den Episoden über Kindheit, Krieg und Theater fügte Lilo Pfitzmann eigene Texte. Sechs Monate lang kramte sie mit ihren beiden Söhnen Robert und Andreas in Kartons und Fotoalben, auf der Suche nach den passenden Bildern zu den Geschichten. „So wurde mein Mann wieder lebendig, das war schön“, sagt Lilo Pfitzmann. Ab und zu hat sie sich Filme angeschaut.

Und Videos aus der „Praxis Bülowbogen“, in der er den volksnahen Doktor Brockmann gab, oder als Havelkaiser, der am Wannsee entstand. Bei den Dreharbeiten war seine Frau, die für Pfitzmann auch als Managerin arbeitete, häufig präsent. Aber nicht aus Vorsicht oder Misstrauen. „Er hätte sich nie für eine Kollegin interessiert“, ist sie überzeugt. Denn als sie sich 1963 in einem Café am Kurfürstendamm kennen lernten, hatte er schon eine gescheiterte Ehe hinter sich. Lilo war damals 19 Jahre jünger als Günter. „Das war ein Vorteil, denn eine Gleichaltrige wollte er nicht“, sagt sie heute. Auch ihre Charaktere ergänzten sich gut, weil sie gegensätzlich waren. „Er war sehr impulsiv, es war immer was los, und ich war eher still. Ich hörte ihm zu, und er hat mich richtig aufgemöbelt.“ Wenn beide Ruhe brauchten, radelten sie um den Schlachtensee, sie wohnten ja in einem Haus in der Nähe. „Wir hatten am See unsere Lieblingsstellen.“ Im Winter liefen sie manchmal über das Eis. Günter war die Zeit mit seiner Familie sehr wichtig. „Das intensivere Verhältnis zu den Jungs hatte natürlich ich, weil ich öfter da war“, sagt sie. Aber sie seien ein „Familienclan“gewesen.

Das zeigte sich auch im Urlaub. China, Australien, Afrika, Vietnam. „Ich habe die ganze Welt mit ihm gesehen.“ Freunde hatte er aber vor allem in seiner Heimatstadt Berlin. Wenige, aber gute. „Wir haben Freundschaften immer auf die Waagschale gelegt“, sagt seine Witwe. In den letzten Monaten waren es neben den Söhnen diese Freunde, die Lilo Pfitzmann Halt gaben. Auch einige Kollegen sind darunter, die Pfitzmann lange begleitet haben. Von den ersten klassischen Rollen über das Boulevardtheater, Filme („Hunde, wollt ihr ewig leben?“) und am Ende die populären Fernsehfiguren. Trotz seiner großen Erfolge ist Pfitzmann nie abgehoben gewesen. „Berliner Ur-Gestein mit Kumpelcharme“ oder „Mann des Volkes“ nannten ihn die Zeitungen, als er ein gefeierter Star war.

Lilo Pfitzmann lebt nun das Motto ihres Mannes weiter. Wäre die Arbeit am Buch nicht gewesen, wäre sie im Januar für vier Wochen in die Südsee gefahren. Es ist der einzige Ort, den die beiden zusammen nicht mehr geschafft haben. Nun reist sie vielleicht allein.

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