Berlin : Erkältungsviren verschonten auch den Bundespräsidenten nicht

SIGRID KNEIST

BERLIN .Auch Bundespräsident Roman Herzog blieb nicht verschont.Wie das deutsche Staatsoberhaupt, das bei seinen Terminen in den letzten Tagen gesundheitlich stark angegriffen wirkte, sind derzeit viele Menschen in Berlin von grippalen Infekten und immer häufiger auch von der richtigen Virusgrippe betroffen.Die niedergelassenen Ärzte sprechen von einer deutlichen Zunahme von Patienten mit Erkältungskrankheiten und teilweise hohem Fieber.

Auch in den Personalabteilungen großer Unternehmen wird ein erhöhter Krankenstand registriert.Eine Grippe-Epidemie gibt es nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts in Berlin aber nicht.Sowohl der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) als auch die Hausärzte müssen sich in den letzten Tagen vermehrt um fiebernde, an Krankheiten der Atemwege leidende Patienten kümmern."Wir verzeichnen schon jahreszeitlich bedingte, gehäufte Infektionen", sagte KV-Sprecherin Ellen Harnisch.

Als "ziemlich furchtbar" bezeichnete der Staakener Internist Rüdiger Dreykluft die derzeitige Situation.Pro Tag kämen derzeit durchschnittlich bis zu 15 Patienten mit fieberhaften Infekten.Normal sei die Hälfte.Wieviele der Kranken tatsächlich an einer richtigen Influenza litten, könne er nicht sagen, da dies nicht automatisch im Labor untersucht werde.Er habe aber schon den Eindruck, daß es in der letzten Zeit vermehrte Fälle der Virusgrippe gegeben habe.Auch Andreas von Criegern hat in der Praxis vermehrt mit vergrippten Patienten zu tun, die teilweise über hohes Fieber klagten.

Lediglich bei kritischen Verläufen starte man eine serologische Untersuchung auf Grippeviren.Deshalb könne man im Normalfallschlecht zwischen grippalen Infekten und der Virusgrippe, hervorgerufen beispielsweise durch das sogenannte Sydney-Virus, unterscheiden.Die Zunahme des Krankenstandes könne durch die extremen Witterungsschwankungen in den letzten Wochen begünstigt worden sein, sagte von Criegern.Jetzt im Februar zum Ende des Winters sei inzwischen auch die Nachfrage nach der Schutzimpfung eher gering.

Auch wenn es in Berlin momentan also an allen Ecken schnupft und hustet, spielt sich nach Aussage von Edgar Muschketat, dem Sprecher des Robert-Koch-Instituts, alles im Bereich des Normalen ab: "Es ist nichts Außergewöhnliches." Von einer Epidemie könne man derzeit überhaupt nicht reden.Wie Muschketat sagte, nehmen Grippeerkrankungen im Februar erfahrungsgemäß meist leicht zu.Wieviele Fälle von Sydney-Grippe oder der ebenfalls in Berlin grassierenden Influenza B inzwischen registriert sind, konnte Muschketat nicht sagen.

Einer Ansteckungsgefahr aus dem Weg gehen kann man nach Auskunft von Medizinern am besten, wenn man Menschenmengen beispielsweise in Bahnen, Bussen oder Kaufhäusern meidet.Zur Vorbeugung gegen Infekte empfehlen sie außerdem eine ausgewogene, vitaminhaltige Ernährung und ausreichend Schlaf.Darüber hinaus sei das Immunsystem von Menschen, die regelmäßig die Sauna besuchen oder sich nach einer heißen Dusche auch kalt abbrausen, besser gegen Grippeinfekte geschützt.

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