Berlin : Erkenntnisse beim Ultraschall

Tagesspiegel-Redakteurin Dorothee Nolte las aus ihren Mutter-Kolumnen

Heike Foerster

Das Kind verdankt seine Existenz einer Tanzschule: Ohne Qickstep, Walzer und Cha-Cha-Cha wären sich der Kindsvater und Dorothee Nolte wohl nicht begegnet. Doch es gab die Tanzschule, es gab das Kennenlernen, und inzwischen gibt es zwei kleine Jungen, die ihr Leben verändert haben. Davon erzählt die Redakteurin in ihren Kolumnen– selbstironisch, pesönlich, aber irgendwie auch universell.

Da ist etwa der letzte Arbeitstag und der Umtrunk mit schon als Eltern erprobten Kollegen, die von wenig Schlaf, schlimmen Krankheiten und geplatzten Fruchtblasen berichten. Da sind nervenaufreibende Besuche bei Ikea und die bange Frage, ob das Kind jemals krabbeln wird. Und die Erkenntnis beim Ultraschall: Auch das zweite Kind wird ein Junge, die Mutter somit eine Jungsmutter.

„Jungsmutter, das klingt für mich nach Feldwebel, nach Haaren auf den Zähnen und geladenem Revolver“, erzählte Dorothee Nolte während ihrer Lesung im „Tagesspiegel im Salon“, bei der sie ihre pointierten „Geschichten einer Verwandlung“ vorstellte. In zwei Bänden sind sie bei dtv erschienen: „Wie eine Mutter entsteht“ und „Wie eine Mutter laufen lernt“. Für ihre Lesung kehrte die Autorin an den Ort zurück, wo alles begann: in den Ballsaal des Nachbarschaftsheims Urbanstraße. Thematisch passen sollte zu diesem Abend auch das Essen, berichtete Dorothee Nolte doch von einem Restaurant-Besuch mit Mann und Kind, bei dem sie selbst kaum etwas von ihrem Hähnchengericht verzehren konnte: Zum Trost servierten die Köche von eßkultur ihr – und den 150 Zuhörern – Hähnchen in Dattelsauce.

Moderiert wurde der Abend von Harald Martenstein, selbst manchmal leidgeprüfter Vater, der unter anderem nach Peinlichkeitsgrenzen solcher Kolumnen fragte: „Wieviel darf man preisgeben? Wird das dem Kind später vielleicht peinlich sein?“ Bei kleinen Kindern sei das kein Problem, sagte Dorothee Nolte. „Auch wenn die Kolumnen persönlich sind, haben sie doch was Allgemeines.“ Und genau das mache den Charme aus, sagte eine Besucherin. Die Mutter von vier Kindern hat sich oft wieder erkannt. „Dazu dieser trockene Humor – toll“, sagt sie. „Den braucht man als Mutter.“

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