Berlin : Ermittler glauben: Dem Busfahrer fehlte Schlaf

NAME

Von Jörn Hasselmann

Polizei und Staatsanwaltschaft bezweifeln, dass der Busfahrer, der am Sonntagmorgen den tödlichen Unfall bei Kremmen verschuldete, vor Fahrtantritt ausreichend Schlaf hatte. „Wir glauben den Angaben der Firma nicht“, hieß es. „Der Fahrer ist möglicherweise am Steuer eingenickt“, sagte Polizeisprecher Rudi Sonntag. Wegen „Gefahr im Verzuge“ wurden noch am Sonntag das Büro des Unternehmens und die Wohnung des Fahrers durchsucht. Neben der Computeranlage der Firma wurden Akten und persönliche Papiere beschlagnahmt. Der 47-Jährige war am Sonntagmorgen auf der A 24 nach Hamburg mit seinem unbesetzten Bus ungebremst in mehrere Autos gerast, die nach einem Unfall gehalten hatten. Dabei starben fünf Kinder und eine 22-Jährige. Der Fahrer wurde noch nicht vernommen.

Am Sonntag hatte die Firma „Grenzenlos Reisen“ mitgeteilt, dass der Fahrer von Sonnabend, 16 Uhr, bis Sonntagmorgen Pause hatte; sie blieb gestern bei dieser Darstellung. „Wieso rast er dann ungebremst in die Autos“, rätseln die Ermittler jedoch. Alkohol soll als Ursache ausscheiden, hieß es. Es habe nicht „verdächtig“ gerochen im Bus. Dass dem Fahrer im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen wurde, sei Standard bei schweren Unfällen, sagte ein Beamter.

Gestern wurde noch ein tragisches Detail bekannt: Denn der 39-jährige Fahrer des weißen VW-Busses mit den fünf Kindern auf den Rücksitzen hatte auf der Fahrbahn der A 24 direkt vor dem vorher verunglückten roten Nissan gehalten – und nicht auf der Standspur, wie in solchen Fällen empfohlen. In den mit sieben Personen besetzten VW-Bus war dann ungebremst der Reisebus gerast. Neben den fünf Kindern wurde in dem Nissan eine 22-jährige Bremerhavenerin durch den Aufprall getötet; sie war beim ersten Unfall nur verletzt worden. Erst am Montag konnten alle Kinder identifiziert werden: Sebastian (13) und Maria (12) sind die Kinder der 39-jährigen Beifahrerin. Aus dem Heim „Eva Laube“ in Potsdam stammen die achtjährigen Zwillinge Katharina und Tobias sowie deren zehnjährige Schwester Jennifer. Am Steuer des VW-Busses saß der Lebensgefährte der Mutter, der in dem Heim Hausmeister ist. Die drei Heimkinder sollten in einem Ferienlager im Kreis Ostprigitz-Ruppin abgegeben werden, das Paar wollte mit den eigenen Kindern in der Nähe Urlaub machen. Am Freitag findet in der Friedrichskirche in Potsdam am Weberplatz ein Gedenkgottesdienst statt, teilte das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) mit, das das Heim betreibt. Das EJF bittet um Spenden für die „Verunglückten Kinder“ (Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00).

Der genaue Ablauf der beiden Unfälle, die sich innerhalb von Sekunden ereigneten, ist immer noch unklar. Dringend sucht die Polizei Hinweise zu einem weißen VW-Wohnmobil, Modell T 2, das längere Zeit nach dem Unfall unmittelbar hinter der Ausfahrt Kremmen auf dem Standstreifen stand (Telefon 03301-8150).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben