Ermittlungen : Amokläufer wird versuchter Mord vorgeworfen

Der Amokläufer von Berlin bleibt in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurde in der Nacht zum Sonntag ein Haftbefehl erlassen. Viele Betroffene der Gewalttat ließen sich untersuchen, nachdem sie erfahren hatten, dass eines der Opfer mit dem HIV-Virus infiziert ist.

Berlin - Dem 16 Jahre alten Täter wird versuchter Mord in 24 Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, wie die Polizei am Samstagabend mitteilte. Damit droht ihm eine Jugendstrafe von bis zu fünf Jahren Haft. Möglich wäre auch die Einweisung in eine Erziehungsanstalt oder ein psychiatrisches Krankenhaus.

Der Hauptschüler aus Berlin-Neukölln hatte am Freitagabend im Berliner Regierungsviertel wahllos auf Passanten eingestochen und dabei 28 Menschen verletzt. Sechs trugen schwere Stich- und Schnittwunden davon. Die Tat ereignete sich im Regierungsviertel am Rande der Feierlichkeiten zur Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofes. Das Motiv des Täters, der stark angetrunken war, blieb zunächst unklar.

Eines der ersten Opfer der Messerattacke räumte am Samstag in einer Vernehmung ein, mit dem Aids-Virus infiziert zu sein. Daraufhin wurden Verletzte mit Stichwunden und Ersthelfer, die Blutkontakt hatten, aufgefordert, sich im Virchow-Klinikum oder der Charité untersuchen zu lassen.

Bis Sonntagvormittag meldeten sich 56 Betroffene in den beiden Krankenhäusern. Sie wurden untersucht und erhielten - sofern tatsächlich Infektionsgefahr bestand - Virus hemmende Medikamente. Diese müssen nach Auskunft der Ärzte möglichst innerhalb von 24 Stunden nach einer Infektion gegeben werden, um wirksam zu sein.

Infektiologe hält Risiko für gering

Der Charité-Infektiologe Norbert Suttorp erläuterte, das Risiko sei gering, sich mit dem blutigen Tatmesser infiziert zu haben. Bei einem Stich mit einer Infusionsnadel, was im Klinikalltag immer wieder vorkomme, betrage die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion 1 zu 300. Der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, wies darauf hin, dass das Blut auf dem Tatmesser bei jedem Stich durch die Kleidung der Opfer abgewischt worden sei.

Mehrere Zeugen hatten den 16-Jährigen als Messerstecher identifiziert, nachdem ihn private Sicherheitsleute überwältigt und der Polizei übergeben hatten. Der Hauptschüler bestritt die Tat und verweigerte nach Angaben der Polizei vom Nachmittag jede weitere Aussage. Bei ihm wurde aber die Tatwaffe gefunden.

Zahlreichen Opfern wurde in den Rücken gestochen, die Staatsanwaltschaft sprach deshalb von besonderer Heimtücke der Tat. 15 Verletzte mussten stationär in Krankenhäusern behandelt werden. Einigen konnte nur durch Notoperationen das Leben gerettet werden. (tso/dpa)

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