Ermittlungen gegen Zahnarzt : Überfall vorgetäuscht?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen brandenburgischen Zahnarzt. Räuber hatten ihm angeblich mit der Gartenschere einen Finger abgetrennt.

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Die Ermittlungen um einen Überfall auf einen brandenburgischen Zahnarzt, bei dem ihm Ende März der linke Zeigefinger von unbekannten Tätern abgeschnitten worden sein soll, richten sich nun gegen den Zahnarzt selbst. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam bestätigte dem Tagesspiegel: „Es gibt Ermittlungen gegen den Zahnarzt.“ Es gebe den Verdacht des „Vortäuschens einer Straftat“. Im Zuge der Ermittlungen „zu dem angeblichen Überfall haben sich Anhaltspunkte ergeben, dass der Überfall vorgetäuscht“ worden sein könnte, erklärte der Behördensprecher weiter.

Wie berichtet, hatte die Polizei nach dem Überfall nach zwei Unbekannten gefahndet. Sie sollen den Zahnarzt nach dessen Aussage an einem Nachmittag in seiner Praxis überfallen haben, als er diese abschließen wollte. Danach sollen sie ihn in die Praxis gedrängt, ihm eine geringe Summe Bargeld geraubt und schließlich mit einer Gartenschere den linken Zeigefinger abgeschnitten haben, um anschließend zu flüchten. Mit der notdürftig verbundenen Hand schleppte sich der Mann noch zu einem Supermarkt um die Ecke und brach dort zusammen.

Der Zahnarzt musste dann notoperiert werden, der Finger war nicht mehr zu retten – denn die Täter hätten ihn nach Aussage des Zahnarztes mitgenommen, hieß es unmittelbar nach dem Vorfall. Die anschließende Großfahndung, auch mit Spürhunden, nach den beiden aber brachte nichts. Die Polizei veröffentlichte später sogar ein Phantombild vom Gebiss eines mutmaßlichen Täters, dass die Spezialisten der Polizei aufgrund der Erinnerungen des Zahnarztes anfertigten. Denn auch Zeugen gab es zu dem Überfall nicht.

Die Anwältin des Zahnarztes war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie hatte bereits im März alle Vorwürfe gegen ihren Mandanten zurückgewiesen. Auch der Zahnarzt war am Freitag nicht zu sprechen. Auf Bitte um eine Stellungnahme hieß es aus seiner Praxis: „Kein Kommentar.“

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