• Ernennung zum Erzbischof von Berlin: Heiner Koch: „Es zog mir den Boden unter den Füßen weg“

Ernennung zum Erzbischof von Berlin : Heiner Koch: „Es zog mir den Boden unter den Füßen weg“

Heiner Koch ist der neue katholische Erzbischof von Berlin – obwohl er selbst beim Vatikan gegen seine Versetzung interveniert hat.

Benjamin Lassiwe
Bei einer Andacht vor der Pressekonferenz in Dresden, auf der seine Ernennung bekannt gegeben wurde: Heiner Koch, neuer Erzbischof von Berlin.
Bei einer Andacht vor der Pressekonferenz in Dresden, auf der seine Ernennung bekannt gegeben wurde: Heiner Koch, neuer Erzbischof...Foto: Arno Burgi/dpa

Als die Glocken der Sankt-Hedwigs-Kathedrale zum Mittag läuten, tritt Dompropst Ronald Rother vor die Gläubigen. „Der Engel des Herrn verkündigte Maria...“, beginnt er das traditionelle katholische Mittagsgebet. Die gut hundert Menschen in den Bänken beten mit – doch eigentlich warten sie auf eine andere Verkündigung. Und richtig, nach dem „Amen“ setzt Rother fort: „Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Tag hat unser Heiliger Vater Papst Franziskus Bischof Dr. Heiner Koch zum Erzbischof von Berlin ernannt.“

Applaus brandet auf. Die Gläubigen singen: „Großer Gott, wir loben Dich.“ Immerhin gut acht Monate lang war das Erzbistum Berlin ohne Bischof, seit der Papst Rainer Maria Kardinal Woelki im vergangenen Jahr zum Erzbischof von Köln ernannte.

Aber wer ist eigentlich dieser Heiner Koch, der seit Januar 2013 die Diözese Dresden-Meißen leitet und voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate nach Berlin wechselt? „Er ist ein offener und herzlicher Mensch, der auf Leute zugehen kann“, sagt der bisherige Diözesanadministrator Tobias Przytarski.

Koch unterstützt Austausch mit Ungetauften

Große Aufmerksamkeit erhielt Koch zum ersten Mal, als er den Weltjugendtag 2005 in Köln und damit den ersten Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. organisierte. 2006 wurde er zum Weihbischof in Köln ernannt – wie Rainer Maria Woelki war er Mitarbeiter des Kölner Kardinals Joachim Meisner, wie Woelki ging er vor zwei Jahren in das eher entkirchlichte Ostdeutschland. Und wie Woelki hat auch Heiner Koch in Dresden-Meißen eine für Rheinländer eher fremde Welt kennengelernt: Nur gut vier Prozent der Sachsen sind katholisch. So betonte Heiner Koch dann auch, dass die Christen für den Austausch mit Ungetauften, mit deren Lebenserfahrungen und Fragen dankbar sein müssten.

„Mit dieser Einstellung ist Erzbischof Heiner Koch genau der Richtige für die plurale und säkulare Stadt Berlin“, sagte der Vorsitzende des Diözesanrates, Wolfgang Klose. Ähnlich äußerte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD): „Auf den neuen katholischen Bischof warten nicht nur die mehr als 330.000 Katholikinnen und Katholiken in unserer Stadt, sondern auch viele andere Menschen, die sich auch ohne religiöses Bekenntnis vom neuen Erzbischof Anregung und Orientierungshilfe erhoffen.“

Er bat im Vatikan, ihn nicht zu versetzen

Koch selbst wird sich erst in der kommenden Woche den Fragen der Berliner Presse stellen. Doch ein Brief, den er an die Gläubigen in seinem Bistum Dresden-Meißen schrieb, deutet an, dass er beim „Großer Gott, wir loben Dich“ wohl eher zaghaft mitgesungen hätte. Er schreibt, dass ihm der Abschied schwer falle. Die Nachricht von der Bischofswahl habe ihm „den Boden unter den Füßen“ weggezogen. Im Vatikan habe er sogar Gründe gegen seine Versetzung nach Berlin vorgebracht, etwa den im kommenden Jahr in Leipzig stattfindenden Katholikentag. Andere ostdeutsche Bischöfe reagierten deswegen ebenfalls verärgert auf Kochs schnellen Wechsel nach Berlin.

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