Erneuerbare Energien : Klimaschutz wird für Berliner Hausbesitzer teuer

Ein Gutachten im Senatsauftrag zeigt, dass sich viele Maßnahmen zum Heizen von Gebäuden mit erneuerbaren Energien nicht lohnen. Damit schwinden die Chancen für den Gesetzentwurf von Umweltsenatorin Katrin Lompscher.

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Als Elektriker und Bauarbeiter verkleidet installierten Greenpeace-Mitarbeiter 1997 auf dem Dach des Wirtschaftsministeriums in Berlin eine Solaranlage.
Als Elektriker und Bauarbeiter verkleidet installierten Greenpeace-Mitarbeiter 1997 auf dem Dach des Wirtschaftsministeriums in...Foto: dpa

Das vom Senat geplante Klimaschutzgesetz kann für hunderttausende Berliner Mieter und Wohneigentümer teuer werden. Die Berliner Energieagentur (BEA) hat anhand des Entwurfs der Umweltverwaltung berechnet, was es bringt und was es kostet, wenn – wie vorgesehen – Gebäude anteilig mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Ergebnis: in den meisten Fällen mehr, als es spart. Damit sinken die Chancen für Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke), das Gesetz noch vor dem Wahlkampf durch Senat und Abgeordnetenhaus zu bringen. Vor allem die Berliner SPD-Spitze sieht höhere Wohnkosten äußerst kritisch.

Die Energieagentur hat anhand verschiedener Referenzgebäude gerechnet: ein Ein- bis Zweifamilienhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche, ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen à 65 Quadratmeter sowie ein 10 000 Quadratmeter großes „Nichtwohngebäude“. Die beiden Wohngebäude haben Erdgasheizungen und sind mit ihrem Wärmebedarf von 175 bis 180 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr weder besonders gut gedämmt noch übermäßige Energiefresser. Als Grenzwert zwischen gut (also vorerst von der Nachrüstpflicht befreit) und schlecht (Handlungszwang, sobald die Heizung 20 Jahre alt wird) sieht der Gesetzentwurf zunächst 150 Kilowattstunden vor. Da gut gedämmte und mit Fernwärme beheizte Häuser sowie denkmalgeschützte Gebäude pauschal ausgenommen sind, betrifft das Gesetz rund die Hälfte der 1,9 Millionen Wohneinheiten in Berlin.

Ob sich Investitionen rentieren, hängt auch davon ab, ob sie aus eigener Tasche oder per Kredit finanziert werden. So lassen sich im Einfamilienhaus mit einer (Erd-)Wärmepumpe für die Heizung binnen 20 Jahren bei Eigenfinanzierung 353 Euro sparen . Dabei ist bereits berücksichtigt, dass das Kapital sonst Zinsen bei der Bank gebracht hätte. Bei Kreditfinanzierung steht unterm Strich ein Minus von 1425 Euro. Fürs Mehrfamilienhaus ergibt die Wärmepumpe sogar 29 000 Euro Verlust. Dagegen lohnt sich dort eine Holzpelletheizung. Die spart nicht nur rund 18 000 Euro, sondern auch 646 Tonnen Kohlendioxid. Fürs Einfamilienhaus dagegen lohnt sich die Pelletheizung weder mit noch ohne Kredit. Solarthermieanlagen, die Gasheizung und Warmwasserbereitung mit Sonnenwärme vom Dach unterstützen, rentieren sich in keinem Fall. Ein Grund dafür dürfte ihr naturgemäß geringer Effekt sein, weil in der Heizperiode die Sonne wenig Kraft hat. Entsprechend gering ist auch der Klimaschutzeffekt.

Etwas besser fürs Klima, aber finanziell besonders ungünstig ist die Umstellung der Heizung auf Bio-Erdgas. Die erfordert zwar keine neue Technik, aber die teuren Tarife summieren sich über 20 Jahre auf 3465 Euro im Ein- und auf gut 21 000 Euro im Mehrfamilienhaus. Wenn sich die Preise von Erd- und Biogas annähern, kann sich der Umstieg später lohnen.

Die Energiekosten sind eine Variable in den Rechnungen. Die BEA nimmt an, dass Erdgas jährlich vier Prozent teurer wird, Strom (für die Wärmepumpe) 2,5 Prozent, Holzpellets 2,7 Prozent.

Ob auch die Mieten steigen, hängt vom Kredit des Vermieters und von der Modernisierungsumlage ab. Für die Solarthermie im Mehrfamilienhaus rechnet die BEA mit knapp fünf Euro Aufschlag auf die Monatskaltmiete, die aber nach 13 Jahren – und dann steigend – von der Heizkostenersparnis überkompensiert werden. Die Holzpelletheizung lohnt sich für Mieter schon nach sieben Jahren.

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