Berlin : Erneut Autozündler-Prozess mit dürftigen Beweisen

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Für Ankläger sah es in Prozessen um politisch motivierte Autobrandstiftungen bislang gar nicht gut aus. Nun ist es Nils V., dem sie mit einem „Mosaik einzelner Indizien“ einen Anschlag auf einen Mercedes nachweisen wollen. Der 25-jährige Niederländer steht seit Dienstag vorm Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft wolle an ihm „zur Abschreckung ein Exempel statuieren“, erklärte er nach mehr als dreimonatiger Untersuchungshaft.

Nils V. war in der Nacht zum 12. Juni 2009 in Kreuzberg festgenommen worden. Zivilpolizisten hatten ihn und einen 18-Jährigen in der Nähe eines brennenden Autos gesehen. Sie hätten sich auffällig oft und „verdächtig umgesehen“, sagten die Beamten. Zudem stellte man an der Jacke von V. helle „Anhaftungen“ fest, die er bei der Ausweiskontrolle angeblich schnell abwischen wollte. Bei den Spuren könnte es sich um Grillkohleanzünder gehandelt haben, sollen Sachverständige eingeschätzt haben. „Macht es mich schon zum Brandstifter, wenn ich in einem Haus ohne Heizung wohne und Grillanzünder benutze?“, fragte Nils V. vor Gericht. Er sieht sich als „linke Person“ und hielt sich damals in einem Haus auf, in dem es keinen Strom und nur Ofenheizung gab. Er kam am Tatabend nach eigenen Angaben von einem Konzert und sei „ohne Beweise“ festgenommen worden.

Vor dem Prozess erlebte Nils V. ein Hin und Her. Ende September vergangenen Jahres war er aus der U-Haft entlassen worden. Das Amtsgericht hatte den Fall zunächst nicht eröffnet. Die Staatsanwaltschaft aber legte Beschwerde ein und erwirkte, dass der Haftbefehl wieder in Kraft gesetzt wurde. V. stellte sich in seiner Heimat und sitzt seit August erneut im Gefängnis. Die Beweislage aber scheint ähnlich schwierig wie in den Prozessen gegen eine 21-Jährige und dann gegen einen 23-Jährigen. Beide waren nach mehrmonatiger U-Haft als mutmaßliche Zündler freigesprochen wurden. Die Verhandlung geht am 28. September weiter. Kerstin Gehrke

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